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Marx an Engels
in Manchester

[London] 8.Nov.1865
1, Modena Villas, Maitland Park,
Haverstock Hill

Lieber Frederick,

Freitag abend kam ich hier an. Strohn hatte mich dringend eingeladen, einige Tage bei ihm zu bleiben, aber ich hatte keine Ruhe. Ich wußte, daß die Sachen in London schief standen, und wollte also an Ort und Stelle sein.

An den disappointments1, die mir Mrs. Lizzy prophezeit’, hat es nicht gefehlt. D’abord2, bei Ankunft in King’s Cross3, war mein Koffer fort, und ich habe ihn bis zu diesem Augenblick noch nicht rückerhalten, was namentlich fatal wegen der darin enthaltnen „Papiere“, für die ich verantwortlich bin. Dann fand ich das Kind4 noch sehr unwohl. Endlich war der Landlord5 dagewesen, hatte gedroht, und meine Frau ihn nur beruhigt durch Vertröstung auf meine Rückkehr. Der Kerl sprach von „Broker“6 ins Haus setzen und außerdem von Aufhören der lease7, was allerdings kontraktlich richtig ist. Im Gefolge des landlord erschien dann alle das andre Gesindel teils persönlich, teils mit Drohbriefen. Ich fand meine Frau so desolate8, daß ich nicht den courage hatte, ihr den true state of things9 auseinander[zu]setzen. Und ich weiß in der Tat nicht, was zu tun! Dabei müssen Kohlen ins Haus geschafft werden u.dgl.

Nebst diesen disappointments one good news10. Eine der zwei Tanten in Frankfurt (die 73jährige11, die andre12 ist zwei Jahre jünger) ist verschieden, aber ab intestato13 (da sie fürchtete zu sterben, wenn sie ein Testament machte). Ich habe daher mit den andern Erben zu teilen, was im Fall eines Testaments nicht der Fall wäre, da sie für die andern nichts kehrte. Und dabei noch dieser angenehme Umstand, daß Herrn Jutas Vollmacht vom Cape of Good Hope14 abzuwarten ist.

Die ganzen angenehmen Umstände sind mir einigermaßen in den Bauch gefahren, so daß ich mir hier sofort Gumperts Medizin wieder machen ließ.
Salut (auch an Mrs. Lizzy).

Dein
K.M.