Manchester, 16. August 1865
Lieber Mohr,
Die Schmiere von der Hatzfeldt ist wirklich eine Schmiere mit allem, was dadrin steht, alleinseligmachender Lassalle, Liebknecht etc. Der brave Library1 hat wirklich diesmal mehr als das Übliche an Schwäche, Gedanken- und Gedächtnislosigkeit geleistet, wenn anders das Referat nicht ganz gefälscht. Der Teufel hole einen solchen advocatus.
Ditto den schaumweinbegeisterten Siebold. Mit welcher sichern Naivetät der Kerl den Versuch macht, Dich mit Blind „auszusöhnen“! Dabei die interessanten „ollen Schweden“, von denen niemand nichts weiß und an die man schreiben soll, um eine „Verbindung“ anzuknüpfen. Ganz à la Harro Harring. Ich komme mehr und mehr zu der Einsicht, daß von dem südlichsten Breitengrade Nordfrieslands an alles, was über Bürger- und Bauernpolitik hinausgeht, reiner Harro Harring ist.2 Das Kamel rückt Dir aber sicher jedes Jahr auf die Kappe.
Nächste Woche (gegen Freitag, 25. cr.) gehen Moore und ich nach Deutschland und der Schweiz auf 14 Tage, womöglich auch „einen faulen Blick“ nach Italien hinein. Wenn es sich machen läßt, melde ich mich bei der Rückreise einen Augenblick in Modena Villas.
Am 28. dieses Monats, also Montag über 8 Tage, ist die Generalversammlung der Köln-Mindener Aktionäre, welche über die preußische Politik auf einige Jahre hinaus entscheiden wird. Ich kann mir nicht denken, daß die Kerle solche Esel sein werden, dem B[ismarck] 13 Mill. Taler in bar auszuzahlen, ohne die Einwilligung der Kammern zu haben. Aber der rheinische liberale Bürger ist vieler Streiche fähig, sobald er den Staat bescheißen kann, und denkt, er kann nachträglich in seiner Eigenschaft als Deputierter doch sich selbst wieder Indemnität erteilen. Fiele der Vertrag aber durch oder würde er an die Genehmigung der Kammern gebunden, so wäre es mit Monsieur Bismarck ziemlich am Ende; eine solche Niederlage in financialibus3 und auf einen so verzweifelten Versuch hält selbst dieser Abenteurer nicht aus. Daß er sich aber wieder mit Östreich momentan verständigt, beweist, daß er intellektuell und moralisch au bout de son latin4 ist. Er weiß zu gut, daß er keinen Krieg anfangen kann, ohne sofort gestürzt zu werden, und so fährt er fort, mit großen Worten um sich zu werfen, kleine Errungenschäftchen einzustecken und Deutschland vor der Welt lächerlich zu machen. Dem Philister imponiert er aber beinahe schon soviel wie Boustrapa. Der Philister verlangt jetzt nicht einmal mehr momentane Erfolge von seinen Götzen, sondern nur, daß sie schwadronieren. So ist auch Classen-Kappelmann zum Kölner Götzen geworden, weil er im entscheidenden Moment durchbrannte.
Auch gut von dem Siebold, in Kopenhagen den C. V. Rimestad zu empfehlen, der ein Mann vom „Dagblad[et]“ ist! Der sog. Arbeiterverein ist eine Propaganda-Anstalt der skandinavischen Eiderdänen und des Ministeriums Hall.
Was wird Vater Urquhart nächsten Monat von den preußischen Kronjuristen sagen? Schöne Burschen sind sie.
Beste Grüße an die ladies und Edgar5.
Dein
F. E.