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Marx an Engels
in Manchester

[London] 4 March 65

Dear Fred,

Heute steht unsre Erklärung1 im „S[ocial]-D[emokrat]“. Der Herr Schweitzer hat, unter dem Vorwand, daß die Erklärung der „Herrn“ keiner weitern Bemerkung bedarf, uns doch einen seiner „tiefsinnig verschissenen“ Leaders „anonym“ gewidmet. Lassalle und B.Becker, „der Präsident der Menschheit“, for ever2! Jedenfalls habe ich in Hand das sehr demütige Einladungsschreiben des Herrn S[chweitzer] etc. Siebel hat 5 Zeitungen geschickt („Barmer“, „Elberfelder“, „Düsseldorfer“, „Rheinische“, „Neue Frankfurter“) mit der Erklärung. Der einliegende Ausschnitt ist aus der „Elberfelder“. Mir ist lieb, daß wir erstens „heraus“ sind und zweitens „drin“ waren. Ohne das letztre wären wir nie in die „Mystères Lassalle“ eingedrungen.

Ich habe wegen Deines Pamphlets3 (das sich gedruckt sehr gut macht; bei einer etwaigen 2.Auflage wäre nur hier und da ein Satz zu ändern) an Kugelmann (schick mir sein Rezept zurück) geschrieben. Kannst Du noch 2 copies mir schicken? Ich möchte nämlich an Benders Saublatt4 (London) und „Hermann“ zwei kurze Notizen bringen durch Eccarius, aber ohne Überlieferung von 2 Exemplaren wird das kaum gehn.

Das „Polenmeeting“ (Wednesday5) lief sehr gut ab, und voll, obgleich die bourgeois, es „inopportune“ erklärend, alles getan hatten, um es zu vereiteln.

Die französischen Angelegenheiten sehr verwickelt. Bericht drüber, wie Schilys Report (aus dem ich heut noch dem subcommittee Auszüge übersetzen, resp. mitteilen muß), erhältst Du im nächsten Brief. Für jetzt nur das, daß jetzt a fight6 zwischen unsern ursprünglichen Arbeiteragenten und den politisch-sozialen Herrn (eingeschlossen den Chef der von Moses7 so bewunderten „Associations“8), wer mit uns in Verbindung sein soll. Die [französischen]9, speziell Pariser Arbeiter (doch auch schon Verbindungen in 25 andren französischen Städten) betrachten den Londoner Council10 förmlich als „auswärtige“ Arbeiterregierung.

Major Wolff ist nach Absitz seiner Haft in Alessandria zurückgekehrt.

Apropos: Hab’ ich Dir schon gesagt, daß Mazzini hinterher doch sein „Mißfallen“ (und seine Vorliebe für K.Blind, den er selbst als „Lügner“ erklärt hatte11) unter der Hand dem Fontana mitgeteilt?

Dein Wein gestern gekommen; mit thanks12 empfangen.

Seit einer Woche ist mein Schwager13 aus dem Kap14 wieder hier, der nächsten Dienstag abreist. Mit ihm kam meine Nichte15 aus Maastricht (Tochter meiner Schwester, Witwe Schmalhausen), die ich in about a week later16 zurückbringen muß.

Ich bin an verschiednen empfindsamen und „lästigen“ Teilen mit dem alten Übel geplagt, so daß mir Sitzen schwer.

Apropos: Ist die Lupussche Geschichte noch nicht ganz abgewickelt? Ditto habe ich von Herrn Borchardt nie ein Wort gehört über die ausstehenden Gelder, die er eintreiben wollte. Aus dem einliegenden Wisch siehst Du an einem Beispiel, wie alle möglichen, mir gänzlich aus dem Gedächtnis verschwundenen Ansprüche auf mich gemacht werden. Dies ist die letzte, die sich bis jetzt aus den Zeiten der „N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“ erhoben hat. Dabei muß ich alle mögliche Rücksicht nehmen, weil die Kerls sonst öffentlich Skandal machen.17

Mit Confederacy scheint es zu Ende.

Salut.

Dein
K.M.

Kannst Du mir die auf cotton-crisis18 bezüglichen Papiere des Manchester Journalismus nicht zuschicken?19