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Marx an Engels
in Manchester

[London] 2. Dez. 1864

Dear Fred,

Thanks for the1 „Guardian“.

Ich hatte E. Jones noch nachträglich ein paar copies der „Adresse“2 geschickt und ihm dabei geschrieben, daß er das erste Stück wahrscheinlich von Dir erhalten. Er schreibt heute, daß er nichts von Dir gesehn oder gehört habe. Seine Adresse ist 55, nicht 52 Cross Street. Er schreibt, er werde, nach Schluß der Assisen, einen Zweigverein in Manchester unter seinen Bekannten stiften.

Kannst Du etwa die Adresse des Musikus Petzler (vielleicht durch den Manchester Adreßkalender oder im Schillerverein) auftreiben? Er hat viel Verbindung unter den Manchester Arbeitern und, ohne any intervention on your part3, könnte ich ihn von hier mit E. Jones in Verbindung bringen. Du hättest mir nur die Adresse des Petzler zu schicken.

Das Schlimme bei solcher Agitation ist, daß man sehr bothered4 wird, sobald man sich dran beteiligt. Z.B. jetzt galt es wieder Adresse an Lincoln5, und ich hatte wieder das Zeug aufzusetzen (was viel schwerer als eine inhaltliche Arbeit) – damit die Phraseologie, auf die sich solche Sorte Schreiberei beschränkt, wenigstens sich distinguiert von der demokratischen Vulgärphraseologie. Glücklicherweise macht Herr Fox die Polengeschichte, wozu November 29. als Jahrestag der polnischen Revolution von 1830 den Anlaß gibt.

In dem Committee, da die Adresse für6 Lincoln an Adams zu überreichen, wollte Teil der Engländer – da es customary7 sei – die Deputation introduziert haben by a member of Parliament8. Mit der Majorität of English9 und der Einstimmigkeit der Kontinentalen wurde dies Gelüste niedergeschlagen und vielmehr erklärt, daß solche old English customs ought to be abolished10. Anderseits: M. Le Lubez, als echter crapaud11, wollte die Adresse nicht an Lincoln, sondern to the American People12 adressiert haben. Ich habe ihn gehörig lächerlich gemacht und den Engländern auseinandergesetzt, daß die French Democratic Etiquette nicht einen farthing mehr wert sei als die Monarchical Etiquette.

Apropos. Es ist natürlich unmöglich, hier eine Bewegung ohne Organ in der Presse zu haben. Es ist daher der „Bee-Hive“ (Wochenblatt, Organ der Trades-Unions) zum Organ der Gesellschaft erklärt worden. Durch ein Mißgeschick, das grade den Arbeitern häufig, hat sich ein Lump, George Potter (der in der „Times“ in den Building Strikes als mouthpiece13 figurierte, aber mit Artikeln, die nicht er, sondern andre geschrieben), mit einer Clique von Aktionären – er ist manager – festgesetzt, die bis jetzt die Majorität bilden. Es ist daher von dem Committee, dessen englische Mitglieder meist Aktionäre (die Aktie beträgt nur 5 sh. und keiner kann mehr als 5 Stimmen haben, selbst wenn er 5000 Aktien besäße; also für jede Aktie 1 Stimme bis zu 5 als Maximum) des „Bee-Hive“, beschlossen worden, daß hier ein Aktienfonds von uns gestiftet wird, der uns befähigt, Aktionäre zu kreieren and to swamp the old majority14. Es ist mir lieb, wenn Du auch einen Beitrag zu diesem Zweck lieferst. Die ganze Operation muß natürlich unter den engern Freunden der Mitglieder des Comité vor sich gehn, da sonst von der andern Seite rechtzeitig (d.h. vor der nicht mehr fernen General Meeting of Shareholders15) Gegenschritte geschehn würden.

Neben dem „Hermann“ existierte hier ein andres Blättchen, der „Londoner Anzeiger“ des würdigen Buchhändlers und Juden Bender. Dies sucht sich zu entpuppen in Konkurrenzblatt des „Hermann“, da ein gewisser L. Otto von Breidtschwerdt, der sich jedoch L. Otto als Schriftsteller nennt, die Redaktion übernommen. Direkten Anteil werde ich kaum an der Sache nehmen, da ich am „Volk“ genug hatte, aber es ist gut, um Erklärungen, wie z.B. die gegen Blind16, sobald sie in den deutschen Zeitungen erschienen, in London abgedruckt zu erhalten.

Jener Otto wurde zuerst mit Eccarius bekannt, auf dessen Vorschlag er deutsches Mitglied des International Committee geworden. Er ist ein Schwob, ein geborner Stuckterter. Ganz junger Kerl, about 27 or 28 Jahre. Gleicht sehr dem ältern Bruder meiner Frau17. Erst Kadett in der österreichischen Armee, wo er allerlei Sprachen gelernt hat und vielseitig kantoniert gewesen. Später in Tübingen studiert. Er ist ein persönlich sehr netter, witziger Kerl und von guten Manieren. Er hat noch allerlei Kleinschwäbisches und Deutschdummes im Kopf. Mit alledem sehr guter fond18 und Anlage. Aber zur Schriftstellerei scheint er mir mehr Hang als Beruf zu haben, matt, doktrinär. Als Vermittler mit Süddeutschland und speziell dem Schwobeland ist er gut. Schreibt auch von Zeit zu Zeit in die „Augsburger“, was sich übrigens vom Vogtschen Standpunkt von selbst versteht.

Dem p.p. Klings schrieb ich, es sei schwer, aber auch ganz unnötig, zwischen Moses und Bernhard19 zu entscheiden. Beide seien ehrlich und beide unfähig. Im gegenwärtigen Augenblick sei es Wurst, wer der Härr Präsident. In entscheidender Zeit würden sich auch die nötigen „Laite“ einfinden.20

Ich fürchte wahrhaftig, ich fühle wieder in der rechten Lende einen beginnenden Karbunkel. Der Allen weiß von der Sache nichts, da ich mich seit einiger Zeit selbst behandelt habe. Käme ich nun zu ihm von wegen der Arsenikgeschichte, die man doch ohne Arzt nicht anfangen kann und auf die er vielleicht nicht einmal eingeht, so machte er mich scheußlich herunter, daß ich so lange hinter seinem Rücken karbunkelte!!

Yours
K.M.

In seiner Antwort an den Schwobemayer21 (durch den Strohmann Bronner) erklärt Blind, daß Lincoln und Frémont sich um seine Stimme, als entscheidend für die election22, gerissen haben. In einer amerikanischen Zeitung, „Der Radikal Democrat“23, daß Er die polnische Revolution gemacht.