1864

96

Marx an Lion Philips
in Zalt-Bommel

London, 20.Feb.

Lieber Onkel,

Ich beginne mit dem Ende. Gestern about noon2 kam ich hier in einem sehr kühlen Zustand an, for it was devilish cold3. Um so wärmer war mein Empfang, und so genoß ich die von einem vollkommenen Widerspruch unzertrennlichen Freuden. Gestern und heute – en passant4 – waren die kältesten Tage in London. Es scheint also, daß ich berufen bin, nicht nur nach Bommel, sondern auch nach London den Winter zu bringen. I wish the Prussians in Schleswig-Holstein the full enjoyment of this „seasonable weather". If their patriotism or rather „Untertanenbegeisterung", is not cooled down by that, then, Sir, we must give it up!5

Das kleine Kind6 was quite enchanted by the really beautiful Dolly, Madame August7 had chosen for her. I enclose some lines on the part of the child. She did not leave off bothering myself till I had promised her to enclose also for you a letter which she pretends to be written in Chinese characters and which an English friend has sent her.8

[In Amsterdam]1 fand ich die ganze Familie wohl und heiter. [Da August]1 sehr beschäftigt war, sagte ich ihm gar [nichts von]1 den Geldaffären. Ich empfing Tausendguldennoten bei der Assecurantiecassa, die ich mit Jacques'9 Hilfe in Rotterdam zum größten Teil in Wechsel umsetzte, zum 4ten Teil about in banknotes10.

Jacques hatte während der zwei Tage, die ich in Rotterdam war, auch keineswegs bloß freie Zeit. Den einen Tag plädierte er in einem benachbarten Städtchen, und den andern Tag hatte er einer Expertise11 beizuwohnen. Es schien mir überhaupt, daß er seit seiner Verlobung viel mehr als früher „an eye to business"12 hat. Ich zweifle nicht, daß er in wenigen Jahren gehörige Praxis haben wird, um so mehr, als er die Juristerei liebt. Er selbst erzählte mir, daß er fast alle faulen Prozesse gewinnt, und wenn er sich die Mühe gibt, so was zu erzählen, kann man's auf das Wort glauben. Sehr lachte ich mit ihm über einen Mann, den er „den Klienten" par excellence nennt. Der Mann, sagte er mir, sei noch jung, und könne noch viel Vermögen in 30 Jahren or more13 verprozessieren!

Nebenbei: August hat auch ganz eigenen Glauben in die Unfehlbarkeit der Gerichte. So meinte er z.B., die Engländer verlören nichts dabei, daß ihr Prozeßverfahren so kostspie lig sei. Leute, die nicht prozessierten, hätten grade so viel Chance Recht zu finden als Leute, die prozessieren. In point of fact, it seemed his opinion, that dear law is as good as cheap law, and perhaps better; and he is a fellow who knows something about such things.14

August gab mir die 3 Teile der Aardrijkskunde15, und Jacques versah mich obendrein noch mit einer politischen Ökonomie (holländisch) von Vissering, Professor zu Leiden, und mit einem Exemplar der „Camera obscura". So bin ich vollauf mit holländischer Literatur versehn. Friesisch war nicht aufzutreiben in Amsterdam, obgleich in einer Buchhandlung allein Schriften in 88 modernen Sprachen vorhanden waren. Die Negersprachen schienen den Amsterdamern näher zu liegen als das Friesische, but man always contrives to neglect the things that are nearest to him16.

Das „Sorje Oppenheim", das bereits in Amsterdam viel Sensation machte, ist hier von meinen Töchtern mit Klavierbegleitung exekutiert worden, and they hope to perform it one day before their uncle17.

Es hat sich hier ein großes Konvolut Zeitungen etc. aus verschiedenen Breitegraden für mich aufgehäuft, but I am firmly resolved do know nothing of politics until Monday next18.

Now, my dear uncle, I bid you farewell. Despite carbuncles and furuncles, I consider the two months I have lived in your house, as one of the happiest episodes of my life, and I shall always feel thankful for the kindness you have shown me.

You will, of course, tell Rothhäuschen19 that I send him my compliments and that I regret having been forced giving battle to him.

My best compliments to the whole family, especially Jettchen20, Dr. Anrooy and Fritz21. Mrs. Marx and the girls send also their compliments. Please to give the enclosed lines to Netchen22.

Yours truly23
Charles M.