Manchester, 15.Aug.1860
Liebe Frau Marx,
Den Artikel werde ich machen1, tant bien que mal2, wenn es irgend angeht. Heute schickt mir Siebel einen jungen Barmer auf den Pelz, so daß ich nichts machen kann, morgen indes denk' ich dazu zu kommen. Es ist übrigens unverantwortlich, daß der Mohr mir nicht einmal auf meine Fragen wegen des Siebel antwortet, ich habe nun schon zehn Tage meinen Brief an diesen aufgeschoben, und er könnte mir doch wenigstens das schreiben, was ich dem S[iebel] sagen soll. Daß wegen Verleger noch nichts getan, ist auch Unsinn, nachher werden die Unterhandlungen wer weiß wie lange dauern, dann der bekannte deutsche Schlendrian im Drucken, und wir kommen so piano ma sano3 ins Jahr 1861 und niemand ist schuld daran als der Herr Mohr selber mit seiner Gründlichkeit, und weil er weder selbst Schritte wegen Verleger tut, noch den Siebel in Stand setzt, welche zu tun. Inzwischen geht der Tanz in ganz Europa los, und das Publikum verliert alles Interesse daran, wer denn eigentlich die Originalschwefelbande war, wie das Flugblatt „Zur Warnung" entstanden ist und was an dem Techowschen Brief erlogen ist und was nicht. Wir machen immer die famosesten Sachen, aber wir sorgen stets dafür, daß sie nie zur rechten Zeit kommen, und so fallen sie alle ins Wasser.
Drei Bogen sofortige Antwort auf Vogt wären after all4 viel mehr wert gewesen als alles, was seitdem geschehen ist. Treiben Sie doch, was Sie können, daß etwas wegen Verleger, aber gleich, geschieht, und die Broschüre5 endlich fertig wird. Wir ruinieren uns sonst alle Chancen und bekommen schließlich gar keinen Verleger.
Jetzt aber etwas Komisches, aber es ist ein großes Geheimnis und darf nicht aus Nr. 9, Grafton Terrace heraus. Denken Sie sich, dieser lächerliche Siebel kommt nach Barmen, verliebt sich bis über die Ohren in ein Philistermädchen6, verlobt sich mit ihr und denkt nächstens zu heiraten und sich häuslich in B[armen] niederzulassen. Dies greenhorn.7 Er schämt sich vor mir und weiß nicht, daß ich es weiß, er hat es hierher einem andern unterm Siegel p.p. geschrieben. Das wird eine heitere Ehe werden, wenn sich die Geschichte nicht wieder zerschlägt.
Grüßen Sie den Mohr und die young ladies8 herzlich.
Ihr
F. Engels