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Marx an Ferdinand Lassalle
in Berlin

24.April 1860
9, Grafton Terrace, Maitland Park,
Haverstock Hill, London

Lieber Lassalle,

Besten Dank für Humboldt und Fichte. Letztres hatte ich noch nicht gelesen, und es war clever1 von Dir, ihn ins Feld zu schicken. Bei Ankommen Deines Briefs ließ ich mir von Engels sowohl Deinen Brief wie den des Justizrats Weber aus Berlin schicken. Ich sah aus dem letztern, daß die Sache wegen der Namennennung sich nur auf meine öffentliche Anzeige in den Zeitungen bezieht2; ich also darin ein quid pro quo begangen3.

Heute schreibt mir Weber, und aus seinem Brief ergibt sich folgendes:
Er war ursprünglich den Weg der Kriminalklage gegangen. Unter dem 18ten dieses erhielt er folgenden Bescheid:

„Urschriftlich an den Herrn Dr. Carl Marx zu Händen des Herrn Justizrats Weber, mit dem Eröffnen zurück, daß kein öffentliches Interesse vorliegt, welches mir Anlaß gäbe einzuschreiten. (Art. XVI des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch vom 14. April 1851.) Berlin, den 18. April etc. Lippe."

Weber hat gegen diese Verfügung Beschwerde beim Oberstaatsanwalt4 erhoben. Gleichzeitig, zur Unterbrechung der Verjährung und zum Offenhalten eines andren Wegs, die Injurienklage beim Zivilrichter angemeldet.

Ich habe natürlich für meine Broschüre5 Forschungen in Paris und der Schweiz angestellt; sogar einen eignen Abgesandten6 nach Genf geschickt. Ich habe nunmehr die Beweise in der Hand, daß Vogt französischer Agent. Er ist in diesem Augenblick nicht mehr sicher in Genf und hat daher nach dem Bürgerrecht in einem andern Kanton umgeschaut.

Apropos. Ein Bekannter7 von mir (ein Berliner) behauptet steif und fest, ein gewisser Mayer oder Meier, gehörig zu Abraham M. & Co. (oder Söhne), wohnhaft Berlin, Viktoriastraße, sei der Korrespondent des „Daily Telegraph". Kannst Du Deine Damen nicht darüber forschen lassen?

Antwort auf Deinen Brief später.

Diese Zeilen treffen Dich wohl nicht mehr zu Berlin.
Dein
K.M.