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Marx an Ferdinand Lassalle
in Berlin

23.Feb.1860
6, Thorncliffe Grove, Oxford Road,
Manchester

Lieber Lassalle,

In diesem Augenblick, wo ich zwei Prozesse zu führen habe, einen in Berlin, einen in London1, andrerseits reine Erwerbsarbeit zu verrichten habe, kann ich Dir nur wenige Zeilen schreiben.

Die „viele Wahrheit", die Du in dem Vogtschen Roman entdeckt hast, hat mich, seit ich das Buch gesehn, in der Tat erstaunt; ebenso die timiden2 Ratschläge, die Du mir gabst.

Das einzige nicht ganz Erlogne, Techows Brief oder vielmehr den Inhalt desselben, hatte ich vor 7 Jahren in einem Pamphlet, erschienen in New York, und betitelt: „Der Ritter vom edelmütigen Bewußtsein", so widerlegt, daß alle Kläffer, die damals noch alle zusammen waren, das Maul hielten, kein Wort der Erwiderung wagten.

Was ich von Dir wünsche und was von der höchsten Wichtigkeit für mich ist, ist, herauszubringen, wer der Berliner Korrespondent des „Daily Telegraph" in Berlin ist, und wo das Vieh wohnt, Straße und Hausnummer. Ich glaube, es ist ein Jude, der Meier heißt. Es kann Dir bei Deiner Stellung in Berlin auf keinen Fall schwer sein, dies herauszubringen. Ich bitte, es mir sofort anzuzeigen.3

Beiliegend die Broschüre über den Kommunistenprozeß.4

Dein
K.M.

P.S. Was mein Mißtrauen angeht (Du zwingst mich als Staatsmann Blind zu reden, vide A[ugsburger] „A[llgemeine] Z[eitung]"), so kannst Du jedenfalls nicht darüber klagen. Ich schicke Dir z.B. einliegenden Zettel von Baltimore (United States) zu. Diesen Zettel erhielt ich privatim. Die offiziellen Anklagen gegen Dich (darunter die Aussage einer Arbeiterdeputation von Düsseldorf5) befinden sich in den Bundesakten, die nicht in meinem Besitz sind und worüber ich nicht verfügen kann.