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Engels an Franz Duncker
in Berlin

6, Thorncliffe Grove, Oxford Road,
Manchester, 20. Febr. 1860

Geehrter Herr,

Ich kam in den Besitz Ihrer werten Zeilen vom 13. und bin leider erst heute imstande, das Ms. abzuschicken, das hierbei erfolgt. Ich glaube kaum, daß es 3 Druckbogen überschreiten wird.

Die Vorbehalte wegen der prinzipiellen Bedenken, die Sie machen, versteh' ich nicht recht, es sei denn, daß Sie sich im allgemeinen vorbehalten wollten, das Ms. erst zu sehn. Ich kann nicht glauben, daß Sie die moralische, logische und ästhetische Verantwortlichkeit übernehmen wollen für alles, was bei Ihnen erscheint, von Marx bis zu Jacobus Venedey und von Lassalle bis zu Palleske, oder daß Sie Ihren Verlag an die Tendenz der „Volks-Zeitung" binden wollten, die ich nicht beurteilen kann, da sie nicht nach Manchester kommt. Sollten jedoch die prinzipiellen Bedenken sich auf Lassalles Broschüre über Italien beziehen, die allerdings mit meiner Auffassung des Gegenstandes nicht stimmt, so weiß ich allerdings solche Rücksichten Ihrerseits zu achten, weiß aber auch, daß Lassalle gewiß der letzte ist, damit zu wünschen, daß man hierauf hin rechne. Ich schreibe deshalb an L[assalle], von dem ich überzeugt bin, daß er es gleich einer Beleidigung ansehn würde, wenn man von ihm dächte, er sei fähig, der Publikation einer Schrift das Geringste in den Weg zu legen, die von seiner Auffassung des Gegenstandes abweicht.

Für den Fall, daß Ihnen dennoch entweder die Ausdehnung oder die Prinzipien der Broschüre für Ihren Verlag unzulässig erscheinen [sollten]1, bitte ich Sie, solche innerhalb 24 Stunden nach Empfang an
Herrn Bildhauer B. Afinger
Linienstraße 173, Berlin,
zustellen zu wollen.

Den Brief an Borkh[eim] habe ich besorgt.

Achtungsvoll

Ihr ergebner
Friedrich Engels