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Marx an Bertalan Szemere
in Paris

31. Jan. 1860
9, Grafton Terrace, Maitland Park,
Haverstock Hill, London

My dear Sir!
Aus Ihrem Schweigen schließe ich, daß Sie an meinem letzten Brief Anstoß genommen haben, aber, wie ich sagen darf, ohne hinreichenden Grund. Sie werden nicht leugnen, daß Sie mich durch Ihren eigenen Brief, den vorletzten, von dem Versprechen entbunden haben, das ich Ihnen gegeben hatte. Andererseits können Sie jederzeit nach Berlin schreiben und von Herrn Duncker, dem Verleger, erfahren, daß er mich aufgefordert hat, nicht länger mit der Übersendung des fälligen Manuskripts an ihn zu zögern. Endlich war mein Vorschlag von Mr. Cavanagh natürlich in der Absicht erfolgt, Ihnen zu dienen, nicht mir, und ich schlug ihn nur als pis-aller1 vor.

In der Zwischenzeit habe ich dafür gesorgt, daß, durch einen meiner Freunde, eine Notiz über Ihr Pamphlet (oder vielmehr über sein bevorstehendes Erscheinen) in der „Weser-Zeitung" veröffentlicht wurde. Sobald Ihr Pamphlet in meine Hände gelangt ist, werde ich mit Vergnügen darüber einen ausführlichen Artikel an die „New-York Tribune" geben. Kossuth hat versucht, durch einen weiteren Brief an McAdam in Glasgow die Öffentlichkeit in England auf sich aufmerksam zu machen. Diesmal ist sein Bemühen vollständig fehlgeschlagen.

Da ist noch eine Sache, in der ich Sie um eine Information ersuche und mich für berechtigt halte, sie von Ihnen zu erbitten.

Prof. Vogt (das Werkzeug von James Fazy in Genf, der, wie Vogt, mit Klapka und Kossuth in vertrauter Verbindung steht) hat ein Pamphlet über seinen Prozeß mit der Augsburger „A[llgemeinen] Zeitung" veröffentlicht. Dieses Pamphlet enthält die absurdesten Verleumdungen gegen mich, so daß ich mich gezwungen sehe, auf diese schändliche Schmähschrift zu erwidern, obgleich mich die Zeit reut, die ich auf etwas so Erbärmliches verwenden muß. Nun gut. Er behauptet jetzt, daß er das Geld für seine Propaganda von revolutionären Ungarn erhalten habe, und läßt mehr oder weniger durchblicken, daß das Geld direkt aus Ungarn gekommen ist. Sehr unglaubwürdig, da Kossuth selbst nichts aus dieser Quelle erhalten konnte. Können Sie mich möglichst genau über Klapkas Verhältnisse vor dem Ausbruch des italienischen Krieges informieren? Da ich gezwungen sein werde, in dem Pamphlet2, das ich zu schreiben beabsichtige, über Kossuth & Co. ziemlich ausführlich zu sprechen, würden Sie mich verpflichten, wenn Sie hinzufügen könnten, was Sie für neue Feststellungen hinsichtlich seiner jüngsten Transaktionen ausfindig machen konnten. Hat er von den 3 Millionen irgend etwas für die Bezahlung oder für die Bewaffnung eines ungarischen Korps ausgegeben? (Ich meine, abgesehen von dem Geld, das er militärischen und zivilen Würdenträgern gegeben hat.)

Die Zeiten werden sehr kritisch, und ich hoffe, daß kein Mißverständnis unsere gemeinsame Aktion verhindern wird.

Ihr ergebener
A.W.3

Aus dem Englischen.