25. Juli 1864
46 Hardres Street,
Ramsgate
Lieber Frederick,
Du siehst aus der Adresse, daß ich seit ein paar Tagen in Ramsgate bin.
Zu meiner keineswegs angenehmen Überraschung zeigte sich, daß der furuncle vielmehr ein ganz bösartiger carbuncle war, außerdem so schamlos, sich dicht über dem penis zu entwickeln. Ich war so about1 10 Tage gezwungen, meist im Bett zu liegen – und in dieser Hitze! Das Zeug heilt hier rasch zu; indes habe ich in der Tat alles Vertrauen verloren durch die unerwartete Wiedererscheinung der Krankheit in so bösartiger Form.
Jenny und Tussy ist hier bei mir; Laura kommt übermorgen, und nach about 8–10 Tagen gehn wir nach Holland, während meine Frau sich dann an die See begibt.
Apropos. Vergiß nicht, der letztern ihre Kette zu schicken, da sie dieselbe am Seeplatz zu ihrer Uhr braucht. Sie sagt, daß Du dazu nur eine kleine Schachtel zu nehmen und auf die Post zu schicken hast, die Expedition Dir also unmöglich viel Umstände machen kann.
Ich hoffe, daß Du mit Ermen jetzt im reinen und nicht weiter von den lawyers bothered2 bist.
Was die schleswig-holsteinsche Geschichte angeht, so bin ich noch nicht ganz sicher, daß die Affäre nicht mit einer Personalunion der Herzogtümer mit Dänemark endet. Die Eifersucht zwischen Preußen und Östreich, beider mit dem Deutschen Bund, der Krakeel zwischen Augustenburg und dem von Rußland vorgeschobnen Oldenburg3 etc. machen solche Lösung selbst in diesem Augenblick immer noch wenigstens möglich. Übrigens schlug Palmerston en passant4 und als pis aller5 schon 1851 den Herzog von Oldenburg als Kandidat vor für Schleswig-Holstein.
Laura werde ich schreiben, daß sie Dir die „Free Press“ schickt.
Hier herrscht der sich amüsierende Philister und noch mehr seine beßre Hälfte und sein weiblicher offspring6 vor. Es ist fast traurig zu sehn, wie der alte Oceanus, Urtitane wie er ist, sich von diesen Knirpsen auf der Nase herumtanzen lassen und ihnen zum Zeitvertreib dienen muß.
Best compliments7 von Jenny und Tussy. Beiden bekommt das Seeleben trefflich. Adio.
Mohr