Manchester, 3. Jan. 1864
Lieber Mohr,
Die vielen christmas1 Kneipereien verbunden mit der darauf folgenden general unfitness for business2 haben mich total unfähig gemacht, Dir früher zu antworten. Die Sache ist indes jetzt glücklich vorüber.
Deiner Frau schicke ich das Bewußte.3 Im übrigen bin ich sehr froh, daß Dein zweiter Karbunkel operiert ist und damit diese letzte Krise überstanden. Du wirst verdammt mager geworden sein über diese langweilige Geschichte.
Die schleswig-holsteinische Sache ist wieder recht gründlich verfahren. Wenn es, wie ich glaube, im Frühjahr zum Krieg kommt, so haben wir Dänemark, Schweden, Frankreich und Italien gegen uns, möglicherweise England. In Ungarn und Polen Plonplonismus in voller Blüte, wie Kossuth ja bereits angefangen hat. Dabei sehe ich nur zwei Auswege: 1. entweder in Berlin Revolution, sobald die Truppen weg sind, und in Wien eine entsprechende Bewegung mit Konzessionen hinreichender Art an Ungarn und vielleicht auch an Polen. Das wäre das Günstigste, und in dem Fall wäre nichts zu fürchten. Das ist aber auch unter der herrschenden Konfusion das Unwahrscheinlichste. Oder aber 2. eine Wiederherstellung der heiligen Allianz, wozu die Teilung Polens wie immer den Kitt abgibt (Rußland hat mehr Interesse an Polen als an Dänemark und außerdem die Chance, beim Friedensschluß Östreich und Preußen in der Tasche zu haben, also seine eignen Bedingungen stellen zu können). – Dann würden die Russen die Preußen in Berlin ablösen und Polizei spielen, und dann wären wir geliefert und Bonaparte Hahn im Korbe.
Der Scheinkrieg in Schleswig unter Wrangel kann nicht lange spielen. Erstens machen die dänischen Befestigungen gleich die ersten Gefechte zu blutig, und dann hat Boustrapa zu sehr einen populären Krieg nötig, um nicht diese Gelegenheit zu ergreifen. Was könnte er mehr wünschen, als die Restauration der heiligen Allianz und einen Krieg um den Rhein und für Polen zugleich, und dabei England und Italien und alle kleinen Staaten Europas auf seiner Seite.
Apropos! Unser braver Faucher, der in der Kammer als wütender Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburger auftritt, schreibt gleichzeitig im „Manchester Guardian“ antideutsche, den englischen „Times“-Hunden in den Hintern kriechende Artikel. Sollte man nicht etwas tun, um diesen Lausnickel zu entlarven?
Wenn die Hunde in der preußischen Kammer jetzt Courage hätten, so könnten sie in 6 Wochen ihre Sache ins reine bringen. Die Antwort des schönen Wilhelm beweist, wie die Regierung festsitzt. Kein Mensch pumpt, nicht einmal der brave von der Heydt, und daß sie kein Geld par force4 kriegen, wissen sie.
Eben kommt Lupus her mich abzuholen und läßt Dich bestens grüßen.
Gute Beßrung und Prost Neujahr.
Dein
F. E.