Zalt-Bommel, 27. Dez. 1863
Dear Frederick,
Letzten Mittwoch schrieb ich Dir über die wieder ausgebrochne Furunkulosis und die „bitter“ verpaßte Nacht. Nächsten Tag entdeckte Dr. van Anrooy, daß neben den Furunkeln auch ein verdammter Karbunkel, ziemlich genau unter dem Platze des alten, sich neugebildet hatte. Seit der Zeit – abgesehn von dem unangenehmen moralischen Eindruck dieser Entdeckung – habe ich bis zur Stunde viel widerliche Schmerzen durchgemacht, namentlich des Nachts. Mein Onkel1, der ein famoser alter boy2 ist, legt mir selbst Pflaster und Kataplasmen auf, und meine liebenswürdige, witzige und mit gefährlich schwarzen Augen versehne Cousine3 pflegt und hegt mich aufs beste. Dennoch wäre ich unter sotanen Umständen gern nach home4 abgereist, aber daran ist zunächst nicht zu denken, aus körperlichen Gründen. Der Dr. hat mir die angenehme Aussicht eröffnet, daß ich bis tief in den Januar mit der Fortsetzung dieser ekelhaften Krankheit zu tun haben werde. Er wird mir sagen, wann mein Zustand Lokomotion bis London erlaubt. Indes ist dieser zweite Frankenstein auf meinem Buckel by far5 nicht so ingrimmig, wie der erste in London war. Du siehst das schon daraus, daß ich schreiben kann.
Das Rauchen hat bei mir seit 2 1/2 Monate ganz aufgehört und ist nicht wahrscheinlich, daß ich es sobald wieder beginnen werde.
Wenn man die Politik vor Ekel auskotzen will, muß man sie täglich einnehmen in der telegraphischen Pillenform, worin die kleinen holländischen Blätter sie liefern.
Indes steht ein Spektakelstück bevor, und es ist für Deutschland drollig, daß es eröffnet wird mit einer Bewegung für den „legitimen“ Herzog, mit dem geräuschvollen Wunsch nach einem 36sten Landesvater.
Die Hunde von Parlamentskretins, die in Frankfurt a.M. versammelt waren, beseitigten ohne Debatte eine Resolution, die ein Deutscher aus Posen eingebracht, und worin in sehr zusammenfassend rationeller Form die true question6 zwischen Deutschland und Rußland gestellt war.
Meinen besten Glückwunsch fürs neue Jahr. Bestell die auch an lupum.
Dein
K.M.
P.S. Apropos. Meine Cousine hat ein Album, wie alle „Dametjes“, und ich habe ihr versprochen, ihr Photogramms mitsammeln zu helfen, u.a. auch Deins. Wenn Du also noch ein Photogramm zur Hand hast, so sei so gut, es in den Brief einzulegen, den Du mir hoffentlich endlich schreiben wirst hierhin.
P.S. Eben wollte ich den Brief an Dich kuvertieren, als der Dr.7 eintrat und mich ohne Umstände wieder operierte. Die Sache war fertig in no time und now things will go on swimmingly8.