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Engels an Marx
in London

Manchester, 8. August 1862

Lieber Mohr,

Wenn ich Dir die Berechnung meiner Ausgaben machte, so hatte das durchaus nicht die Absicht, Dir weiteres „Drücken“, wie Du es nennst, zu verleiden. Im Gegenteil, ich denke, wir werden uns auch fernerhin gegenseitig helfen, wo es irgend angeht, wobei es für die Sache ganz gleichgültig ist, welcher von uns augenblicklich der „Drückende“ und welcher der „Gedrückte“ ist, die Rollen können ja wieder wechseln. Das einzige Motiv der ganzen Aufstellung war, Dir die Unmöglichkeit zu beweisen, momentan mehr als die £ 10 aufzutreiben.

Du hast doch die £ 15 von Lassalle gleich bar in Anspruch genommen, oder wie ist das „bis Januar“1 zu verstehen? Will er etwa erst dann zahlen? Was nun Wechsel angeht, so kann ich schon auf L[assalle] drei, womöglich vier Monate dato abgeben, meinetwegen £ 40 à 45 oder etwa 260 bis 300 Taler, wenn Borkheim sie versilbern will. Auch kann ich Dir noch fernere £ 10 bar schicken, wenn ich Borkheim bis in den September warten lasse mit dem Geld, was ich ihm für Wein schulde. Das gäbe 10 von mir, 45 für den Wechsel, 15 Lassalle, Summa 70 £. Damit wäre ich dann aber auch auf geraume Zeit gründlich erschöpft, doch daran läge weiter nichts, wenn Du damit aus dem Drecke wärst und Jennychen nach der Seaside2 gehn könnte. Da nun Borkh[eim] fortwährend Gelder auf dem Kontinent zu zahlen hat – und er weiß, daß ich den Wechsel unter allen Umständen decken muß, wenn ich nicht hier meine Position ruinieren will, so kannst Du ganz ruhig zu ihm hingehn und ihn fragen, ob es ihm konveniert, uns die Sache zu vermitteln. Du kannst ihm sagen, daß ich bei der jetzigen schlechten Cottonzeit3 so wenig Geld wie möglich von der Firma zu ziehen verpflichtet sei und daher lieber auf diesen Modus einginge. Du brauchst Dich in der Geschichte ihm gegenüber noch viel weniger zu genieren als ich, geh also gleich hin und arrangiere die Sache, damit ich sofort auf den Herrn Baron4 ziehen kann.

Lupus kam Montag an, mit Grippe und Rheumatismus behaftet, die ihn in London einen Tag im Bette hielten, den einzigen, den er dort war; sobald er etwas besser war, kam er gleich her. Dies der Grund, weswegen er nicht bei Dir war. Er ist jetzt besser, aber in monetibus5 auch ganz ausgepumpt und kam also gleich wegen der £ 10 zu mir.

Du mußt übrigens platterdings wieder einen finanziellen Coup machen, denn sonst sehe ich platterdings nicht ein, wie wir den Ausfall der „Tribune“ decken sollen. Die andern New-Yorker Journale sind auch nicht in der Lage, Dir die „Tr[ibune]“ nur einigermaßen zu ersetzen; doch könnte der Versuch bei einer passenden Gelegenheit nicht schaden, es könnte immer etwas dabei abfallen. Das Buch würde bei 30 Bogen im besten Fall ca. £ 70 abwerfen, wie steht’s aber mit Brockhaus? Hast Du mit L[assalle] darüber etwas abgesprochen? Und wie lange wird’s noch dauern? – Mit der „Allg[emeinen] Mil[itär]-Zeitung“ hab’ ich wieder angebunden und will sehn, wie’s geht, doch ist dort 1 Artikel alle 6 Wochen das Maximum. Kannst Du mir durch Deinen Mussures6 oder sonst die Mitarbeiterschaft für Militaria7 an einem englischen Blatt in London verschaffen? Doch sind das alles Nebendinge, und falls wir nicht die Kunst erfinden, Gold zu scheißen, wird schwerlich etwas andres übrigbleiben, als daß Du auf die eine oder die andre Weise etwas aus Deinen Verwandten herausschlägst. Réfléchis-là-dessus.8

Über Lassalles Kriegspläne und Deine Renttheorie9, wobei mir noch die Existenz der „absoluten“ Rente durchaus nicht klar ist – denn die hättest Du ja doch erst zu beweisen –, dieser Tage. Ich habe scheußliche Hämorrhoiden und kann nicht länger sitzen.

Grüße die family.

Dein
F. E.