Manchester, 27. Nov. 1861
Lieber Mohr,
Sind diese Yankees denn ganz verrückt, daß sie den tollen Streich mit den confederate Commissioners1 ausführen? Das fact, daß auch hier im Kanal ein Kriegsschiff auf den mailsteamer2 wartete, beweist, daß von Washington aus allgemeine Instruktionen gegeben waren. Politische Gefangne auf einem fremden Schiff gewaltsam zu nehmen, ist doch der klarste casus belli3, den es geben kann. Die Kerle müssen ja rein närrisch sein, sich einen Krieg mit England auf den Pelz zu laden. Wenn der Krieg wirklich losbricht, so kannst Du Deine Briefe nach New York via Deutschland oder Havre schicken unter Kuvert an eine Mittelsperson, wirst Dich aber in acht nehmen müssen, daß Du nicht den enemies der queen4 Vorschub leistest.
Über Bakunins Durchbrennen hab' ich mich sehr gefreut. Der arme Teufel mag höllisch mitgenommen worden sein. Auf diese Weise eine Reise um die Welt zu machen!
Monsieur Bonaparte scheint auch kein Geld zu kriegen, und Fould ziemlich am Ende seines Witzes zu sein. Wie das dort gehn wird, soll mich wundern.
Hübsch geht's in Rußland und Polen, und im braven Preußen wird nun auch wohl endlich eine Krisis eintreten, wenn die Wahlmänner nicht wieder sich einschüchtern lassen. Aber der Beutel, der Beutel! Der wird das bißchen „Fortschritt" doch wohl noch etwas zusammenhalten. In Köln wird ja sogar von einer Kandidatur des braven Heinrich Bürgers gemunkelt.
Die Varnhagenschen „Tagebücher" müssen ganz interessant sein. Der Kerl ist aber doch ein ganz schäbig feiger Lauskerl gewesen. Die „Kreuz-Zeitung" hatte einen ganz witzigen Artikel über das Ding, natürlich auch voll Gift und Galle.
Am 1. Dezember schick' ich Dir wieder fünf.
Viele Grüße.
Dein F. E.