[London] 29. Jan. 61
Lieber Engels,
Wenn einmal Pech sein soll, kommt es auch dick, wie Du aus einliegendem Brief des Dana siehst. Einen Wechsel von 30 £, den ich auf 2 Monate Datum am 10. Dezember zog, haben sie protestiert und außerdem mir für 6 Wochen alles Korrespondieren aufgesagt. Ich lief natürlich gestern gleich zu Freiligrath, und damit er sich selbst decke, wird kaum ein andrer Ausweg übrigbleiben, als daß er einen Wechsel, den ich ihm auf 3 Monate auf mich ausstelle, unterzubringen sucht. Wie ich hier weiter shift1 soll, weiß ich nicht, da Steuer, Schule, Haus, grocer2, Metzger, Gott und der Teufel keinen ferneren respite3 mehr geben wollen. Was eine Gemeinheit von Dana, ist, daß er in der Abrechnung auf die Krisenzeit 1858/59 zurückkommt, wo nur ausnahmsweis die Korrespondenz auf 1 Artikel per Woche herabgesetzt ward, ein Übereinkommen, das übrigens per usum4 und sogar durch ausdrücklichen Brief seit Jahren wieder aufgehoben war. Jetzt zieht er mir alle Artikel ab, die sie während des letzten Jahrs nicht gedruckt haben. Andrerseits, von seiner falschen Unterstellung aus, das Übereinkommen von 1858/59 als noch maßgebend zu betrachten, hätte er wieder nicht das Recht, mich für 1½ Monate brachzulegen. Und dennoch kann ich nichts gegen die Kerle machen, da ich ganz von ihnen abhänge. Ich weiß in der Tat nicht, was ich anfangen soll, sah aber seit lange diese Krise heranrücken.
Einliegend gleichzeitig den Brief von Lassalle. In seinem jetzigen Schreiben erinnert er sich gar nicht, welchen Eindruck der Vogtsche Dreck auf ihn gemacht hatte. Übrigens besser spät zur Einsicht kommen als gar nicht. Was seine beabsichtigte Neuauflage der „N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“ betrifft – die Hatzfeldt, von der ich Dir ein Memoire beilege, hat über 300 000 Taler zu verfügen –, so würde ich unter jetzigen Umständen selbst nach diesem Strohhalm greifen, aber die Wellen in Deutschland schlagen noch nicht hoch genug, um unser Schiff zu tragen. Es wäre von vornherein ein Abort.
Toby hat wieder an Borkheim geschrieben, ob er denn nie von unsrer 90-£-Flüchtlinggeschichte gehört habe? Deutschland verachte mich, darum das allgemeine Schweigen. Selbst der große L. Walesrode habe erklärt, auf dergleichen Gemeinheiten brauche niemand zu antworten etc. En passant5 wäre es mir lieb, wenn Du dem Borkheim – da er 12 £ zu „Herr Vogt“ beigetragen – auf seinen Brief antwortetest. Er ist in diesem Punkt sehr empfindlich.
Bucher und Rodbertus, die auf der Deputiertenliste für Berlin standen, sind von den entrüsteten Kleindeutschen gestrichen worden nach Erscheinung ihrer Erklärung. Letztre ist schlecht, aber die Art, wie Bucher dem G. K. (Gottfried Kinkel) im letzten „Hermann“ dient, ist gut.
Herr Kolatschek hat sich gestern „Herrn Vogt“ zur Rezension als Gratisexemplar schriftlich ausgebeten. Ist ihm geschickt worden. Es ist von der Schrift verhältnismäßig viel in Petersburg und Riga gekauft worden, dagegen in Köln – nichts (vielleicht 6 Exemplare).
Die Geschichte, die Lassalle von Zabel erzählt, ist gut.
Salut.
Dein
K.M.
Die Sau-„Times“ hat Deine Amnestiegeschichte nicht aufgenommen. Ebenso nicht „Standard“. Bring jetzt die Sache in den „Guardian“, aus dem, wie Du ihn herschickst, ich es durch Borkheim in den Sau-„Hermann“ etc. und anderswohin bringen werde.