Manchester, 18. Dez. 1860
Lieber Mohr,
Außer Szemere kommt mir am Sonntag auch noch mein Schwager1 her, Sz[emere] ist heute fort nach Liverpool, kommt vielleicht wieder, mein Schwager geht morgen – also bin ich außerstande gewesen, einen Artikel zu machen. Für Samstag womöglich etwas über Östreich.2
Sz[emere] ist persönlich ein ganz netter Kerl, mit der östreichischen Bonhomie, und mag in Ungarn, in revolutionären Zeiten, auch energisch, entschieden und einsichtig sein; aber en dehors de son pays3 ist es sicher mit seinen Kenntnissen und Ideen nicht weit her; ich habe wenigstens nicht viel Vernünftiges darüber aus ihm herauskriegen können. Komisch ist, daß er, der doch in seiner Broschüre bonapartistisch auftrat, jetzt wieder ganz umgeschlagen ist. Er machte mir u. a. folgenden Vorschlag zur Güte: Was ich davon hielte, wenn es dahin kommen sollte, daß die Habsburger, beim Zerfall des Kaiserstaats, nur noch Könige von Ungarn bleiben und Deutsch-Östreich an Deutschland zurückfiele? Worauf ich ihm natürlich erklärte, daß eine solche Lösung uns ganz recht sein könne und wir den Ungarn die ganze Räuberbande mit Vergnügen zum Präsent machen würden. Sein Weingeschäft ist hier ganz gut abgelaufen; Cobdens Empfehlung und die Bekanntschaften, die er in Paris bei C[obden] gemacht hatte, erleichterten ihm die Sache sehr.
Wenn irgend möglich, schicke ich Dir morgen wieder zwei Pfund, heut ist's mir leider zu spät geworden.
Grüß Deine Frau, die sich hoffentlich bessert, und die Mädchen.
Dein F. E.
Apropos Portwein! Ich habe nichts Trinkbares mehr, werde aber morgen suchen, etwas Gutes aufzutreiben und gleich abzuschicken.