76
Marx an Engels
in Manchester

[London] 6. Dez. 1860

Lieber Frederick,

Besten Dank für die £ 2. Näheres office ist Camden Town money office1.

In bezug auf den Mangel der Resumés hast Du völlig recht. Sie waren ursprünglich da, sind aber von mir weggestrichen worden, als ich sah, daß das Zeug unter der Hand sehr anwuchs. Denn gewöhnlich gedruckt würde das Ding einen sehr starken Band ausmachen. Übrigens wirst Du sehn, daß in dem Abschnitt XI „Ein Prozeß“ die ganze persönliche Angelegenheit dem Philister so eingepaukt ist, daß er sie in seinem Leben nicht wieder vergessen kann.

Was Monsieur Edouard Simon betrifft, so hatte der Hund Dich in seinem Schmutzartikel (Techows „Spitzel“ maliziös übersetzend) „le mouchard toujours affairé“ genannt. Und darauf nahm ich mir vor, ein Exempel an dem Burschen zu statuieren, da Beleidigungen gegen Deine Person mich mehr ärgern als die gegen mich gerichteten.

Übrigens – by the by2 – sobald lupus sich durchgewunden, ist es mir lieb, wenn er selbst ein paar Zeilen mir schreibt. Das Hauptvergnügen meiner Frau besteht jetzt in den Briefen über das Ding. Im ganzen geht es gut voran, aber langsam.

Herr Philister Freiligrath, das „erkältete westfälische Maul“, schreibt mir gestern u. a. folgendes:

„Dein Buch“ (beileibe nicht Pamphlet) „hat Petsch mir geschickt. Besten Dank! Soviel ich bis jetzt darin gelesen habe, finde ich’s, wie ich erwartet hatte, voll Esprit und voll Malice. Das Detail ist so reichlich, daß es beinahe den Überblick erschwert. Auf die Sache selbst einzugehn, wirst Du mir erlassen. Ich beklage den ganzen Streit auch heute noch und stehe ihm nach wie vor fern.“

Was sagst Du zu diesen beiden letzten Sätzen? Der Schweinhund, der Vogts Lügen und Blinds Infamien früher schon kannte, jetzt aber schwarz auf weiß hat, will nicht (wozu ich ihn notabene gar nicht aufgefordert), „auf die Sache selbst eingehn“. Und er „steht“ „nach wie vor dem ganzen Streit fern“. Es scheint mir jetzt, daß er noch nicht das Ganze gelesen, denn er wird dann sehn, wo er steht. Das Geheimnis seiner Intimität mit Blind (mit Vogt-Fazy bindet ihn natürlich das Geschäft) ist mir jetzt bekannt. Nämlich F[reiligrath] hatte bei dem Schillerfest 20 000 Exemplare seines Gedichts drucken lassen, kostete 40–60 £. Daraus wollte er ein Geschäft machen. Verkaufte aber nicht 40. Da die Spekulation so durchgefallen, galt es nun, dem Schillerkomitee die Kosten „aufzuschmutzen“, wie Petsch es richtig nennt. Dazu war Blind denn servilistes tool3. Hinc4 die „Gegengefälligkeit“ des erkälteten westfälischen Mauls.

In dem Druckfehlerverzeichnis findest Du den von Dir gerügten Druckfehler. Ursprünglich war das Verzeichnis 3 × größer. Da dies aber schlecht aussieht, haben wir es reduziert. Der ganze Fehler liegt an Hirschfeld, ein Schlappschwanz, der keine Herrschaft über seinen Setzer hat. Petsch läßt nichts mehr bei ihm drucken.

Salut.

Dein
K.M.

Wenn Dir irgend etwas durch den Kopf geht, worüber ein militärisches Pamphlet zu schreiben von 1–3 Bogen, so wäre es dem Petsch sehr lieb, der jetzt als „Verlagsbuchhändler“ aufkommen will. Er ist ein sehr netter Kerl.