[London] 12. April 1860
Lieber Engels,
Best thanks1 für den Hundertpfünder. Der war eine famose Überraschung this morning2. Großer Jubel im ganzen Haus.
Du wirst gesehn oder auch nicht gesehn haben, daß die „Köln[ische] Zeit[ung]" (Schlesinger-London) die Frechheit hatte, von der Schwefelbande und ihrer Russenriecherei zu sprechen. Well! Vermittelst meines bankrutten Freundes Speck bin ich nun der ganzen Londoner Schwefelbande ernstlich auf der Spur.
D'abord3 wirst Du aus den Zeitungen gesehn haben, daß Palmerston den Witz sich gemacht hat, Herrn Reuter (den Triester Telegraphenjuden) der Königin4 vorzustellen. Des nicht orthographisch schreiben könnenden Jud Reuters Faktotum ist – Siegmund Engländer, der aus Paris ausgewiesen wurde, weil er, obgleich bezahlter französischer Spion (600 frs. per Monat), sich als „geheimer" russischer Spion auswies. Dieser Reuter, Engländer, Hörfel und Schlesinger hatten in Paris zusammen (ihr Ehrenmitglied war ein Esterhazy, ein man about town5 und Vetter des östreichischen Gesandten Esterh[azy]) eine bonapartistische lithographische Korrespondenz, entzweiten sich etc. Herr Bernhard Wolff, der Hauptproprietär6 der Berliner „National-Zeitung" und Inhaber des Berliner Telegrammbüros, ist ein Herz und ein Beutel (Kompanie) mit dem unter Reuters Namen jetzt die europäische Weltgeschichte redigierenden S. Engländer. Notabene. Rußland hat sich jetzt dem „Deutsch-österreichischen Telegraphenverband" angeschlossen und seinen Reuter „pour encourager les autres"7 durch Pam der Queen8 vorstellen lassen. Des Schlesiingers ganzer Lebenslauf wird mir detailliert gegeben werden, ebenso der des Reuters.
Salut.
Dein K.M.
Dank an Siebel für die Notizen, die er mir heut geschickt. Ebenso seine „Religion und Liebe". Meine Frau findet letztes sehr gut.