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Engels an Marx
in London

Manchester, 26. Jan. 60

Lieber Mohr,

Da morgen „Tribune"-Tag ist, so tut es mir leid, daß wieder kein Stoff da ist; die paar Notizen über Marokko in „Times"-Korrespondenz reichen nicht einmal bis zum Gefecht von Cabo-Negro, und es ist auch weiter nichts geschehn; übrigens wirst Du an Parlamentsgeschichten Stoff genug haben1. Auf die preußische Armeereform warte ich auch noch.

Deine Ansicht von der Bedeutung der Sklavenbewegung in Amerika und Rußland bestätigt sich schon jetzt. Die Harpers-Ferry-Geschichte mit ihrem Nachspiel in Missouri trägt ihre Früchte, überall werden die freien Nigger im Süden aus den Staaten gejagt, und im ersten N[ew]-Yorker Baumwollbericht (W.P. Wright & Co. vom 10. Jan. 60) lese ich eben, die Pflanzer hätten ihre Baumwolle hurried on to the ports in order to guard against any probable consequences arising out of the Harpers' Ferry affair2. In Rußland kompliziert sich die Sache auch sehr schön; die A[ugsburger] „A[llgemeine] Z[eitung]" hat hierüber jetzt einen sehr guten Korrespondenten in Petersburg, der indes mehr die konstitutionelle Bewegung des Adels berücksichtigt, indes, die gibt natürlich dabei für die Bauern den Anstoß.

In Indien präpariert sich eine kolossale Krisis. Was die Ansicht hiesiger Philister darüber, confer3 die beiliegenden Market Reports4. Viele Garne sind jetzt so hoch, fast höher als 1857 auf dem höchsten Punkt, dabei ist Baumwolle 23/8 bis 21/2 d. wohlfeiler. In Burnley allein sind 26 neue Fabriken im Bau begriffen; in andern Orten im Verhältnis. Die Arbeiter bekommen überall nach und nach 10% Aufschlag auf den Lohn und werden bald noch mehr erhalten. Meiner Ansicht nach ist das Agieren mit fiktivem Kapital im indischen Geschäft wieder grade so rife5 wie 1846/47 und kaufen die meisten nur, weil sie müssen und nicht stoppen können. Aber wäre das auch nicht, so wird die Zunahme der Produktion allein bis Herbst, spätestens Frühjahr 61 einen kolossalen collapse6 hervorbringen.

Die dummen Engländer glauben jetzt schon, sie würden nächstens Frankreich überschwemmen. Ein Esel von Kattundrucker – one of the sharpest7 – sagt, mit 30% Schutzzoll in Frankreich könne er ein Geschäft dorthin machen, wobei er 15% mehr verdiene als in jedem andern Markt. Der Narr bildet sich ein, die Monopolpreise in Frankreich würden bestehn bleiben, auch wenn das Monopol abgeschafft. Daß die ganze Historie nur ein Schwindel ist, um John Bull bei der notorischen schwachen Seite zu fassen und ihn schließlich gehörig zu prellen, daran denkt niemand.

Wer ist eigentlich der Herr Fischel, der dem Herzog von Coburg sein Pamphlet geschrieben hat und jetzt in der „Free Press" schreibt? Daß der Coburger urquhartitische leanings8 hat, sah ich schon aus Auszügen aus dem Pamphlet.

Dronke ist jetzt in Liverpool und hat eine sehr gute Agentur für eine französisch-spanische Kupferminengesellschaft – £ 500 – garantiert, kann bis zu £ 1000 verdienen, wie es heißt. Garnier-Pagès hat ihm das besorgt. Er kommt öfters her, geht mir aber stets aus dem Weg und läßt mich post festum9 grüßen.

Lupus hatte eine ernste Bronchitis, ist aber besser, indes noch sehr ängstlich und noch nicht ganz wohl. Er hat wieder einen chronischen Kampf mit der landlady10 organisiert.

Ich habe jetzt sehr viel auf dem Kontor zu tun, daher meine unregelmäßige Korrespondenz, ich sehe auch vorderhand nicht, wie sich diese übermäßige Schanzerei ändern soll, wenn es nicht, wie ich hoffe, zu einer Krisis kommt.

Viele Grüße an Deine Frau und die young ladies11.

Dein
F. E.