[London, vor dem 9. Mai 1858]
Mein Herzens Karl,
Es tut leid, daß ich Dir keinen bessern Brief beizulegen habe, als den vom Sch. Koller1; ich hielt ihn gestern noch zurück, vielleicht ist es aber doch nötig, daß Du ihn liest.
Ich hoffe, daß Du mit dem Friedländer zu einem fixen point of fact2 kommst, viel ist bei einem deutschen Blatt nie herauszuschlagen, und ich begreife nicht, wie Du ihn anfragen konntest für mehr als einen Artikel zu der enormen Summe von 1½ £, namentlich, da sie fürs eigentliche business3 einen Korrespondenten haben; mehr als ein „enjolivement“4 brauchen die sicher nicht. Das höchste, was bei der „Presse“ herauszuschlagen ist als average maximum5, werden 2 £ sein, darüber täusche Dich nicht. Engels sagt sicher, „da kannst Du wenigstens 10 £ die Woche machen“, solche Selbsttäuschungen sind momentan sehr angenehm, fallen aber in der Wirklichkeit schlecht aus. Der Gang der Revolution in Preußen amüsiert mich königlich; namentlich auch die mit dem rauschendsten Beifall aufgenommene „Schiff, Segel, Mast und Wellen“-Rede vom Schnaps Prince-Smith in seinem Ostseerevier. Und nun gar das Entzücken der „Kölnischen Zeitung“ über von der Heydt und die Bewunderung selbst der „Presse“ über das energische Benehmen und die feste Haltung der demokratischen Berliner Presse??!!
Die Mädchen hätten Dir längst geschrieben, aber Jennychen sagte, sie hasse 3fache Zensur bei einfachen Privatbriefen und daher ihr Schweigen.
Lieber Karl, es ist mir so schrecklich, Dich noch bei all Deiner Quälerei zu bothern6; aber da Ostern vor der Tür ist, so sind die Kerls rabiat. Kannst Du nicht etwas loseisen, namentlich für Withers. Sie sind die schlimmsten...
Die andern sind besser – und lassen sich noch hinhalten; ich war gestern bei Miss Morton und habe ihr die Sache klargemacht.
Leb wohl.
Deine
Jenny