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Marx an Bertalan Szemere
in Paris

London, 8 October 1859

Mein lieber Franck,

Ich habe Ihren letzten Brief erhalten, wonach Sie anzunehmen scheinen, daß in der Sache K[ossuth] bisher noch nichts geschehen ist. Nun, das ist durchaus ein Irrtum.

1. Am Donnerstag (29. September) habe ich Ihnen ein Exemplar der Londoner „Free Press“ vom 28. September geschickt, die einen Bericht mit der Überschrift „Particulars of K[ossuth]’s Transaction with L[ouis] N[apoleon]“ enthielt. Gleich am Tage des Erscheinens wurde diese Nummer der „F[ree] P[ress]“ an alle Zeitungsredaktionen von London geschickt. Die „Times“ veröffentlichte ihren Artikel zu Gunsten K[ossuth]s erst, nachdem sie sich aus der „F. P.“ vergewissert hatte, daß K[ossuth] ein ebenso käuflicher Bursche ist wie die Schreiberlinge der „Times“.

Für den Fall, daß die Ihnen übersandte Nummer der „F. P.“ von der französischen Post unterschlagen worden ist, füge ich den obengenannten Artikel diesem Briefe bei.

2. Der Bericht der „F. P.“ ist in englischen, schottischen und irischen Provinzzeitungen abgedruckt worden. Eine wörtliche Übersetzung ist durch Freunde von mir in die Augsburger „Allgemeine Zeitung“ und in die Bremer „Weser-Zeitung“ gebracht worden. Eine andere deutsche Übersetzung soll in der Berliner „National-Zeitung“ erschienen sein.

3. Gleichzeitig mit Ihrem Brief erhielt ich heute die „New-York Tribune“ vom 24. September, die unter der Überschrift „K[ossuth] and L[ouis]-N[apoleon]“ einen ausführlichen Artikel von mir bringt, der zwei und eine halbe Spalte füllt und an bevorzugter Stelle der Zeitung eingerückt wurde. Da die „Tribune“ immer ein Faible für K[ossuth] gehabt hat und P[ulszky] ihr Londoner Korrespondent ist, ist diese Veröffentlichung ein wirklicher Erfolg, um so mehr, als P[ulszky] in dem Artikel namentlich genannt ist und die verteidigenden Absätze seines eigenen Briefes an die „New-Y[ork] T[ribune]“ lächerlich gemacht werden. Es gibt mindestens einige hundert kleinere in englischer Sprache veröffentlichte amerikanische Zeitungen, die ihre mot d’ordre1 von der „Tribune“ bekommen und infolgedessen diesen Artikel abdrucken werden. Die deutsch-amerikanische Presse, von New York bis San Franzisko, wird indessen den Artikel in die teutonische Muttersprache übersetzt haben.

Überdies sollte man nicht vergessen, daß New York das Zentrum der ungarischen Emigration in Amerika ist.

Wenn es Ihnen nicht möglich ist, die „Tribune“ vom 24. Sept. zu bekommen, werde ich Ihnen den Artikel schicken unter der Bedingung, daß Sie ihn mir zurücksenden, da ich kein anderes Exemplar besitze und es benötigen würde, falls P[ulszky] darauf erwidern sollte.

4. K[ossuth]s Brief an Mac Adam, den der Leitartikel der „Times“ erwähnt, ist allgemein von den Londoner Zeitungen lächerlich gemacht worden, und zwar in einem Maße, daß K[ossuth] denselben Mac Adam veranlaßt hat, in denselben Zeitungen zu erklären, daß der Brief ein Privatbrief und nicht zur Veröffentlichung bestimmt war. Als eine Probe, wie K[ossuth]s Brief behandelt wurde, füge ich einen Leitartikel vom Londoner „Daily Telegraph“ bei.

5. Wenn Sie mir irgendwelche weiteren Einzelheiten über K[ossuth]s Proklamationen und Intrigen in Ungarn mitteilen können, werden diese mir sehr willkommen sein und bestimmt ihren Weg in die Presse finden.

6. Mein Zeitungshändler konnte die Exemplare der „Times“, um die Sie bitten, nicht bekommen. Im allgemeinen ist es schwierig, Londoner Tageszeitungen einige Tage nach ihrem Erscheinen noch zu beschaffen.

7. Die Bemerkungen über Perczel in dem „F.P.“-Artikel beruht auf einer öffentlichen Erklärung von ihm. Ich hielt es für angebracht, darauf anzuspielen, um in den Reihen von K[ossuth]s Parteigängern Verwirrung in bezug auf die Quelle zu stiften, von der die Information ausgeht.

8. Aus der beigefügten Notiz ersehen Sie, daß der englische Kaufmann nach näherer Erwägung es ablehnt, in das Weingeschäft einzutreten. Der Deutsche, von dem ich gesprochen habe, ist nach dem Kontinent zurückgekehrt. So sehe ich keine Möglichkeit, diese Angelegenheit in England voranzubringen.

Was meinen Schwager2 anbelangt, so habe ich an ihn geschrieben, aber noch keine Antwort von ihm erhalten.

Ihr ergebener
Williams3

Aus dem Englischen.