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Engels an Jenny Marx
in London

[Manchester, um den 16. April 1857]

Liebe Frau Marx,

Hierbei der Artikel1 und gleichzeitig 4 „Guardians“. Es ist mir jetzt auch endlich gelungen, auf einem neuen Plan von London Ihre Grafton Terrace ausfindig zu machen. Sie sind ja ganz auf dem Lande und am Fuß der Hampstead Hills, und wenn die Gebirgszeichnung auf der Karte richtig ist, in einer höchst romantischen Gegend. Wenn diese aber nichts als Unwohlsein, Zahnschmerzen, geschwollene Köpfe und gestörte Verdauung zur Folge hat, so ist es schlimm genug mit der Landluft und Romantik bestellt. Jedenfalls hoffe ich, daß Sie sowohl wie der Mohr sich inzwischen bedeutend gebessert haben.

Lupus meint, daß dem Mohr seine Etymologie von Farina gar nicht richtig ist, daß Sanskrit vârinas vielmehr die Wurzel von Varinakanaster ist.2 Diese Antwort hatte der Mohr gewiß erwartet und so soll sie ihm nicht vorenthalten werden. Der Alte hat wieder einen Abschnitt in seinem Leben vor sich. Erschrecken Sie nicht – es ist keine Heirat. Im Gegenteil eine Ehescheidung, er zieht nämlich von seiner drei Jahre gehabten Landlady3 aus und mehr in meine Nähe. Der alte Herr ist jetzt sehr populär bei einer Clique deutscher Commis, die zuweilen in den Chatsworth kommen und denen er jeden Sonntagabend mit großer Würde präsidiert. Ohne Lupum können sie gar nicht mehr leben, ebensowenig wie die englischen Philister in derselben Kneipe.

Aller Augen warten hier auf den dicken Potter, wenn er die Adresse im Parlament sekundieren wird; das wird schön werden.

Nochmals gute Besserung. Grüßen Sie die Mädchen herzlich – denen bekommt die Luft draußen doch gewiß besser. Was werden die gewachsen sein!

Herzliche Grüße.

Ihr
F. Engels