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Engels an Marx
in London

Manchester, 7, Southgate [19. Dezember 1859]

Lieber Mohr,

Ich hab' den ganzen Tag geschanzt, um den Nachmittag für den Artikel freizubekommen, und wie ich mein Gas anstecke, brennt es so düster, daß das ganze Comptoir die Arbeit suspendieren muß. In meiner Wohnung ist es seit beinahe acht Tagen eher noch schlimmer, der lange Frost mit Nebel bringt eine solche Gaskonsumtion am Tage mit sich, daß abends gar kein Druck und also auch kein Licht ist. Dies macht es mir unmöglich, heute einen Artikel zu machen, der übrigens, da von Céuta aus jeden Tag die Bewegung gegen Tetuán beginnen soll, vielleicht eher gewinnt, wenn ich bis übermorgen oder Donnerstag warte. Für Dich wird es freilich fatal sein, da Du dann morgen schanzen mußt und auf mich gerechnet hast.

Siebel war in Hamburg und hat dort von den Bummelliteraten gehört, daß „Freiligrath mit Marx gebrochen habe“. Du siehst, wie Herr Kinkel das Korrespondenz-, Reklame-, Klatschgeschäft auch nach Kinkels1 Tode noch fortsetzt. Herr Strodtmann, der beim Hamburger „Freischütz“ ist, scheint auch wieder getreuer Jünger von Johann Gottfr[ied]2 geworden zu sein.

Die Augen tun mir weh, ich laß' das Schreiben. Herzliche Grüße an Deine Frau und Kinder. Ich kann Weihnachten nicht kommen, G.Ermen hat wieder Veränderungen im Comptoir angestiftet, die es mir unmöglich machen, ohne sehr große responsibility3 grade beim Jahresschluß fortzugehen. Ostern oder Pfingsten komm' ich sicher.

Dein
F. E.