[London] 26. Oktober 59
Lieber Engels,
Ich hoffe, daß Du weder krank bist noch sonst ein Malheur Dich getroffen hat, bitte Dich aber, unter allen Umständen, to drop some lines1, da Dein verlängertes Schweigen mich beunruhigt.
Sei so gut und schick mir den Ausschnitt aus der „Tribune"2, den ich in meinem „Letzten“ einlegte, zurück.
Duncker hat nun definitiv sich zur Herausgabe des zweiten Hefts willig erklärt. Lassalle spricht über seine „italienische“ Taktik quasi re bene gesta3 und drängt mich zu einer Erklärung, wobei er den bescheidnen Zweifel fallenläßt, daß ich vielleicht von „meiner“ Ansicht zurückgekommen sei.
Dem hiesigen Kinkel- oder Schillerfest, das übrigens sehr lausig ausfallen wird, sich anzuschließen, konnte Freiligrath „als deutscher Poet“ nicht lassen, obgleich ich ihm Warnung gegeben, daß er nur als Staffage dem Gottfried dienen solle.
Wegen dem „Volk“ habe ich den county-court process4 vermieden, indem ich about5 5 £ opferte und andrerseits in der Quittung dafür den Biskamp als proprietor6 von Hollinger anerkennen ließ, der (B[iskamp]) so für den Rest verantwortlich, durch seine Freiheit von aller Habe aber über jede Verantwortlichkeit hinaus ist. Es war nötig, diesen unter actual circumstances7 sehr unangenehmen Schritt zu tun, da die Kinkelbande nur auf die Geschichte wartete, um öffentlich Skandal zu machen, und das ganze Personal, was um die Zeitung herumhing, für Schaustellung vor Gericht unpassend war.
Der „Augsburger Zeitung“ habe ich auf ihr Verlangen (in zwei sehr de- und wehmütigen Briefen encompassed8) das auf Blind bezügliche Dokument zugesandt. Letztrer Bursche verdiente das um so mehr, als er zu Collet lief und ihn 1. zu Schleichwegen benutzen wollte, 2. den Liebknecht dem Collet als „belonging to the Communist party"9 denunzierte und, um ihn schließlich ganz schlecht zu machen, 3. die A[ugsburger] „A[llgemeine] Z[eitung]“ als „russisches“ Organ charakterisierte.
Erinnere den Thimm, seine Schuld hier abzutragen.
Salut.
Dein
K.M.