228
Engels an Marx
in London

Manchester, 10. Aug. 1859

Lieber Mohr,

Ich sitze momentan so tief im Abzahlen der für das neue Geschäftsjahr aufgelaufenen Privatschulden fest, daß ich nur im dringendsten Notfall in den nächsten Wochen fernere Gelder fürs „Volk“ zuschießen kann. Von Strohn höre und sehe ich nichts, ich würde aber sofort erfahren, wenn er wieder in Bradford ist. Wenn alle Stricke reißen, so könntest Du immer an Borch[ardt] schreiben, ich sehe nicht ein, warum nicht. Du könntest mich’s dann wissen lassen, und wenn nötig, könnte dann Lupus auch ihm von ungefähr einen Besuch machen. Ich sehe und höre von B[orchardt] nichts.

Gestern abend, als ich den 2ten Artikel über Dein Buch schreiben wollte1, wurde ich in einer Weise gestört, die es mir unmöglich machte fortzuarbeiten. Heute kann ich’s nicht mehr rechtzeitig nachholen, der Artikel muß also bis nächste Woche aufgeschoben werden, so ärgerlich es mir ist.

Ich war Samstag-Montag aus der Stadt, fand Montag abend beiliegenden Wisch von Duncker vor. Die 6 Exemplare „Po und Rhein“ kannst Du Dir auf inliegende Zeilen hin geben lassen, schick mir die, die Du nicht brauchst. Freiligrath hat eins erhalten. Dieser Narr sollte indes doch endlich gezwungen werden, eine entschiednere Stellung einzunehmen oder wenigstens zu blechen.

Duncker will mich redlich betrügen. Lassalle schrieb von 2000 Exemplaren, jetzt will er bloß 1000 gedruckt haben. Siebel, der wieder hier ist, erzählt, dies müsse nach seiner eignen Erfahrung über den buchhändlerischen Sukzeß eine Lüge sein. Que faire?2

Was sagst Du zu der schönen Entschuldigung der Nichtanzeige Deines Buchs?

Mazzini hat also seine diplomatischen Entdeckungen schließlich mit einer schrecklichen Brühe in die „Times“ gebracht. Die facta sind immerhin wichtig und bestätigen unsre Nachrichten und Schlußfolgen. Urquh[art] wird jetzt doch wohl daran irre werden, daß M[azzini] ein Russian sei.

Salut.

Dein
F. E.