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Marx an Engels
in Manchester

[London] 19. Juli 59

Dear Frederick,

Ich würde mit Vergnügen den Artikel über den Frieden geschrieben haben, da ich nur einen Artikel von letztem Freitag und von heute1 für die „Tribune“ zusammenzufassen hätte. Außerdem, weil ira facit poetam2, waren meine Artikel gut. Aber da Biskamp die Sache begonnen und schon seine Nr. II angekündigt und faktisch oder nominell wenigstens das Kommando hat, so erlaubt der Anstand solches Eingreifen nicht. Sobald er in Edmonton, bringt die Entfernung selbst mit sich, daß ohne Verletzung seiner amour propre3 – und weiter hat er ja nichts von der Sache – ihm in solchen entscheidenden Momenten der leader4 aus der Hand genommen wird.

Was wir beide aber tun können, um der nächsten Nummer Halt zu geben, ist dies, daß wir ihn auf dem rechten und linken Flügel unterstützen. Unter dem Vorwand, über das Aktenstück von Urquhart zu schreiben, werde ich kurz Rußlands part5 zu dieser Tragikomödie zusammenfassen, gleichzeitig Bonaparte herunterreißen. Du unter dem Vorwand, militärisch einen Schlußartikel zu schreiben, mußt ebenfalls (bei der Gelegenheit auch Preußen hauend) auf den Bonaparte loshauen etc. Nach meiner Ansicht ist es von der äußersten moralischen Wichtigkeit, keinen Glauben in Bonapartes Größe unter den Deutschen aufkommen zu lassen. Was Östreich betrifft, so ist die eingeschlagne line6, alles auf den Landesvater7 zu werfen, sufficient8.

Ad vocem Aktenstück. Fiel dem „Prinzen von Preußen“ in die Hand bei der Regentschaftskrisis, bei der plötzlichen Entfernung Manteuffels. Weiteres ist von den Urqu[hart]-Eseln nicht herauszuklauben. Einzelne Stellen sind verfälscht, weil sie das ganze Aktenstück nicht bekommen haben. Für die Echtheit des Ganzen bürgt grade die allen russischen, selbst „gehe...nen“ Aktenstücken eigne Manier, gewisse stehende konventionelle Lügen unter sich selbst auszuwechseln. Selbst Pozzo di Borgo schreibt in dieser line. Ganz klaren Wein über russische Manoeuvre findet man nur in den zufällig veröffentlichten Dokumenten russischer Agenten, die nicht direkt im russischen Staatsdienst. Z. B. Theyls (Holländer) und Patkuls (zu Berlin 1796 herausgekommen) Memoiren und Briefwechsel.

Portfolio“. Ich werde für Dich (und mich) von Paris verschaffen die dort herausgegebne Gesamtausgabe der papers9, wovon das „Portfolio“ nur die von Palmerston gebilligten drucken durfte.

Volk“. Agentlohn reduziert auf 1/2 d. Die großen Ausgaben verursacht, weil Bisk[amp] persönlich unterstützt werden mußte; weil in meiner Abwesenheit, bei dem Krakeel der Kerls untereinander, die tollste Wirtschaft; weil seit meiner Anwesenheit das ganze Personal verändert. Ende dieser Woche werde ich vollständigen Rechnungsbericht haben. Es macht dies viel Arbeit bei der Art, wie die Sache bisher geführt. 4–5 £ Annoncen noch diese Woche einzutreiben, um die Schuld bei Hollinger für 9 und 10 abzuwickeln.

Biskamp wollte eine kurze Notiz über meine „Kritik der Ökonomie“ etc. schreiben. Ich riet ihm ab, weil er nichts von der Sache versteht. Da er aber sich (im „Volk“) anheischig gemacht, einiges darüber zu sagen, bitte ich Dich (sage in der kommenden, nicht dieser Woche), es für ihn zu tun. Kurz über die Methode und das Neue im Inhalt. Du würdest damit zugleich den Ton angeben für die Korrespondenten von hier. Und dem L[assalle]schen Plan, mich zu kill10, entgegenzuwirken.

Salut.

Dein
K.M.