[London] 17. Dez. [1858]
Dear Frederick,
21. erhalten mit thanks1.
Diese Blindfabrikation (ganz die Art, wie er mir selbst erzählte, daß sie Hecker machte) war mir bekannt, obgleich natürlich nicht einige der angenehmen Details. D’abord2 ist dieser „Tel[egraph] Morn[ing] Expr[ess]“ redigiert von einigen englischen Seilers und alle seine telegraphischen Depeschen, wenigstens der größte Teil derselben, ist abgedruckt von Londoner Morgenblättern. Das fact kann ich bezeugen, daß Blind in dem „Morning Advertiser“ eine falsche „Telegr. Despatch“ (von Brüssel datiert) eingeschmuggelt. Diese hat das „Tel[egraph] M[orning] Exp[ress]“ sich of course4 sofort angeeignet. Zweitens: Dr. Bronner ist nicht nur l von, sondern der Agent von Blind, [da er]5 „keinen zweiten“ zu versenden hat. Ich glaube auch, daß er direkt [die Missive]5 an Lupus „verordnet“ hat, da Bronner keinen Schritt [ohne]5 obrigkeitliche Erlaubnis tut. Heute kannst Du auch im „Daily Telegraph“ lesen in der Korrespondenz von Berlin:
„Similar petitions have been presented to the (Holstein) Diet by the German merchants resident at Bradford and Liverpool.“6
Die Betriebsamkeit dieser kleinen aus der demokratischen Pißjauche ausgebrüteten badensischen Flöhe ist rührend. Schon die Alten stellten allerlei erbauliche Betrachtungen über die Flohsprünge an.
Mit der „Tribune“ habe ich eine Satisfaktion erlebt. Dieses Lauseblatt hatte während Monaten alle meine Artikel über China (eine völlige Geschichte des englisch-chinesischen Handels etc.) as leaders7 gedruckt und sich sogar Komplimente darüber schreiben lassen. Als aber endlich der offizielle Text des chinesisch-englischen Vertrags kam, schrieb ich einen Artikel8, worin ich u.a. sagte, die Chinesen „würden nun die Einfuhr von Opium legalisieren, ditto Importduty9 auf das Opium legen und lastly10 wahrscheinlich auch die Opiumcultivation in China selbst erlauben“, und so werde der „second opium war“11 dem englischen Opiumtrade12 und namentlich dem Indian Exchequer13 einen deadly blow14 geben, sooner or later. Well!15 Der Herr Dana druckt diesen Artikel als Artikel eines „Occasional Correspondent“16 von London und schreibt selbst einen seichbeutligen leader, worin er seinen „Occasional“ Correspondent widerlegt.17 (rather,18 Montag) nun im House of Commons haben Fitzgerald und Stanley im Namen des Ministeriums wörtlich meine Voraussage bestätigt. Ich schrieb also Dienstag als „Occasional Correspondent“ und mokierte mich somewhat19, natürlich in verhaltnem Ton, über meinen „Berichtiger“.
Apropos. Mein Schwager20, ein guter, langer und langweiliger Holländer, kommt nach Manchester in Geschäftsangelegenheiten. Namentlich auch, um sich über die Zahlbarkeit gewisser Individuen zu versichern. Schick mir Deine Privataddress, da er sich an Dich wenden will. Vermeide aber jede Anspielung auf meine private affairs21.
Dein
K.M.
Salut.
Philister Freiligrath kramt nun nach und nach allerlei aus über den Gottfried22. 1. sendet G[ottfried] den Gerstenberg zu den verschiednen merchants23 in die City. Sie sollten für den „Hermann“ subskribieren. Der arme Mann müsse doch „leben“ und den „Ausfall“ decken, der durch den Tod seiner Frau entstanden. 2. erzählt er mir, daß G[ottfried] sogleich nach dem Tod der Mockel bei ihm anfragte, ob (und wie groß) ein Geschäft mit ihrem Nachlaß bei Cotta zu machen sei? „Ich besitze einmal“, sagt G[ottfried], „die Gunst des Publikums.“
Möglich ist’s, daß Blind selbst wieder den „Morning Advertiser“ täuscht und durch Freund Schütz von Brüssel falsche telegraphische Depeschen schicken läßt.
Cluß ist verheiratet mit einer Person, die er bei Dr. Wiß in Baltimore kennenlernte.
Apropos. Der Bronner hat auf Blinds Empfehlung den Grec24 Landolphe als Schulmeister in Bradford untergebracht.
Herr Liebknecht hat den Edgar Bauer in den Arbeiterverein eingeführt. I watch him.25