124
Engels an Marx
in London

Manchester, 8. Febr. 1858

Lieber Mohr,

Ich war die vorige Woche stellenweise unwohl, es scheint noch ein ganz geringes Minimum von Rest von meiner früheren Krankheit übriggeblieben, das aber zu schwach ist, mich ernsthaft zu fassen und mich nun durch allerhand kleine Lumpereien schikaniert – besonders reizbare Haut, schlechtes Verheilen von Wunden, schwärende Finger und dergleichen ennuuyante Eseleien. Glücklicherweise ist zu eiternden Drüsen auch nicht mehr die allergeringste Tendenz vorhanden, so daß also dafür kein Bange ist. Diese Lumpereien, die sich apropos von Erkältungen zeigen, werden mich wohl ab und zu plagen, bis ich wieder ins Seebad gehe. Jedenfalls muß ich mich inzwischen noch in acht nehmen. Als Ableiter dienen mir übrigens meine, seit meiner Rückkehr ziemlich verwickelten Hämorrhoiden, das hilft jedesmal auf dem Fleck, aber macht mir dann auch auf ein paar Tage jedes andre Sitzen als auf dem Gaul unmöglich. Daher mein Stillschweigen vorige Woche und mein Mangel an Lieferung seit Montag. Ich konnte nur liegen die meisten Abende. Indes ist die Erkältung jetzt am subsiding1 dergestalt, daß ich gestern wieder 28 Meilen reiten konnte, und so können wir morgen wieder anfangen.

Den dunkeln Heraklit scheint Herr Lassalle sich au fond2 leicht genug genommen zu haben. Lupus hat sich sehr amüsiert über Deine Beschreibung seiner Methode, es war ihm eine Satisfaktion, daß es mit der griechischen Gelehrsamkeit des Herrn doch nicht so weit her ist. Ich werde ihm das Buch, wenn es kommt, zum Studieren geben.

Freund Belfield hat sich heute wieder zum Stadtratskandidaten aufgeworfen und ist mit Glanz durchgefallen. 196 gegen seine 143 Stimmen.

Ich hab' noch ein paar „Guardians“ mit hübschen Pariser Korrespondenzen zu Hause, die ich Dir dieser Tage schicken werde.

Viele Grüße an die family. Für Freitag gibt's wieder einige „Enzyklopädie“-Sachen.

Dein
F. E.