[London] 15. August 57
Lieber Frederick,
Es freut mich sehr, daß die See, wie zu erwarten war, wohltätig wirkt. Sobald Dein Zustand zu baden erlaubt, wird die Wirkung noch rascher werden.
Die See selbst ist natürlich das Hauptkurmittel. Indes sind einige innere Medikamente doch nötig, teils um zu prävenieren, teils positiv, um dem Blut fehlende Substanzen zuzuführen, und gestützt auf die ganze neuste französische, englische und deutsche Literatur, die ich jetzt über Deine Krankheit durchgelesen habe, stelle ich daher gegenüber den Behauptungen in Deinem Brief an meine Frau folgende auf, die Du jedem Kollegium von Ärzten oder Chemikern zur Prüfung vorlegen kannst:
1. Wo der Lebertran in 3 Monaten wirkt, wirkt das Eisen in 3 Wochen.
2. Lebertran und Eisen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich in der Kur.
3. Momentaner Eisenmangel im Blut ist der Grundcharakter Deiner Krankheit. Du mußt Eisen nebst Seebad noch brauchen, selbst wenn alle äußern Spuren der Krankheit verschwunden wären.
4. Das heilende Element für Dich im Lebertran ist das Jod, da die fettmachende Eigenschaft des Trans unwesentlich für Dich ist. Jodide of Iron1 verbindet daher beide Elemente, die Du brauchst, und wovon Dir das eine im Lebertran suppliert wird. Gleichzeitig vermeidest Du mit diesem Mittel den unnützen Ballast für den Magen, der dem Lebertran anhängt.
Voilà mes Thèses2, und ich hoffe, daß Du sie ernsthaft untersuchst, damit nach der Heilung nicht wieder spätere Rückfälle kommen, die exceedingly3 unangenehm sein sollen.
Die Affäre mit Delhi sieht mir so aus, als ob die Engländer ihren Rückmarsch antreten müßten, sobald die rainy season4 ernsthaft had set in5. Ich habe auf meine Verantwortlichkeit, da ich Dich einstweilen als Militär in der „Tribune“ ersetzen mußte, dies aufzustellen riskiert6. NB. on the supposition7, daß die bisherigen Reports wahr sind. Es ist möglich, daß ich mich blamiere. Indes ist dann immer mit einiger Dialektik wieder zu helfen. Ich habe natürlich meine Aufstellungen so gehalten, daß ich im umgekehrten Fall auch recht habe. Die beständigen Gerüchte vom Fall von Delhi werden von der Regierung in Kalkutta in Indien selbst zirkuliert und dienen, wie ich aus den indischen Blättern sehe, als Hauptmittel, Madras und Bombay presidencies8 in Ruhe zu halten. Ich sende Dir einliegend zum Zeitvertreib einen Plan von Delhi, den Du mir jedoch zurückschicken mußt.
Aus den meisten Berichten der Banque de France9 sieht man bereits, daß statt des d’Argout ein Bonapartist10 am Ruder ist, der mit Diskontieren und Notenausgeben wenig Umstände macht. Der financial débâcle11 in Frankreich muß enorm werden, da von allen Seiten in tollster Weise darauf losgearbeitet wird.
Imandt hat mich hier bedeutend im Arbeiten gestört. Der Pot12 ist eigentlich das einzige Medium, um mit diesen spiritrappers in Rapport zu treten.
Mit besten Wünschen für Deine Gesundheit von mir und Frau.
Dein
K.M.