Lieber Marx,
Dem beiliegenden Artikel1 wirst Du auch wohl wieder ansehen, daß er under difficulties2 entstanden ist. Jedesmal, wenn ich vorhabe, einen „Trib[une]“-Artikel zu machen, so scheint dies alle bösen latenten Säfte meines Körpers zur Erscheinung zu bringen. Diesmal sitze ich zu Hause mit Leinsamenumschlägen auf der linken Seite des Gesichts, um ein bösartiges Geschwür zur Raison zu bringen, reduziert auf magre Kost und ohne Bier, doch ist mir glücklicherweise ein Glas Wein befohlen worden. Es wird behauptet, ich hätte zu viel Roastbeef gegessen, jedenfalls bin ich seit 4 Wochen mit meinem Gesicht in einem fort beschäftigt gewesen, erst Zahnschmerzen, dann geschwollne Backe, dann wieder Zahnschmerzen, jetzt endlich die Blüte des Ganzen in einer Furunkel, wie der kleine Heckscher das Ding nennt. Außerdem muß ich Mineralwasser saufen und des Morgens um 7 Uhr heraus, auch sehr angenehm.
Hier ist jetzt alles Kunstfreund und schwatzt von den Gemälden in der Ausstellung. Die Sache wird plus ou moins3, finanziell aber jedenfalls, eine failure4. Übrigens sind sehr schöne Bilder da, jedoch meistens von den besseren und besten Malern nur second-rate5 Stücke. Zu den schönsten gehört ein prachtvolles Portrait Ariostos von Tizian. Neuere deutsche und französische Schule sehr schlecht, fast gar nicht repräsentiert. 3/4 des ganzen englischer Schund. Spanier und Flamänder am besten repräsentiert, dann die Italiener. Du mußt doch diesen Sommer einmal herkommen das Ding ansehen mit Deiner Frau, s'il y a moyen6. Für die „Tribune“ über diese Geschichte etwas zu schreiben geht nicht, ich wüßte auch nicht, wo anfangen, den ordinären Klatsch hat die „Tr[ibune]“ in allen Blättern.
Lupus, der, wie ich Dir, glaub’ ich, schrieb, ausgezogen ist, kämpft wieder den Kampf mit der landlady7. Um das Pech vollzumachen, kam die neue landlady 8 Tage nach seinem Einzuge in Wochen. Nebenan spielt ein