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Engels an Marx
in London

Liebster Mohr,

Hierbei der Brief von Lassalle zurück. Dorch un dorch der läppische Jüd. Es werden schöne Geschichten sein, die er zusammengeschrieben hat, auch das Ding, das „zünden“ wird und worüber er so geheimnisvoll tut.

Daß nichts an dem Kerl ist, das wissen wir freilich, es ist aber schwer, einen positiven Grund zu finden, woraufhin mit ihm direkt brechen, besonders, da von den Düsseldorfer Arbeitern weiter nichts gehört worden.1

Er scheint – nach diesem Brief zu urteilen – sich ganz von ihnen zurückgezogen zu haben, oder vielmehr sie von ihm, denn er weiß gar nichts Positives zu sagen, wie es in Deutschland unter den Arbeitern steht. Ob er aber nicht wieder mit einem Brief von Dir bei ihnen renomieren lassen würde, ist eine andre Frage. Ich würde an Deiner Stelle ihm schreiben, das ist nicht wohl zu vermeiden, aber ihn direkt fragen, wie es mit der Arbeiterbewegung am Rheine stehe, und besonders in Düsseldorf, und da läßt sich der Brief doch so abfassen, daß er das Maul darüber halten wird, und daß er entweder sich plus ou moins2 erklären oder ihm die Korrespondenz mit Dir leid werden muß. Lupus hat sich über den Brief sehr amüsiert, aber unser Konzil über die Sache wurde gestört. Übrigens würde ich ihn doch auch fragen, wie es wäre, daß er Deine Briefe der Polizei in die Hände spielt.

Über Persien ist absolut nichts zu sagen, die Kampagne war lausig, aber die Berichte sind es noch mehr. Über China war bei Ankunft der letzten Mail3 allerdings etwas zu sagen und ist’s auch noch, aber um jetzt, zehn Tage nach der letzten Mail, etwas zu machen, ist es zu spät; ich warte also, bis die nächste Mail kommt, wo ich mich gleich dransetze, und der Artikel4 entweder für Freitag oder den folgenden Dienstag einkommt. Richte Dich also soviel wie möglich hiernach, ich denke, die Mail kommt Ende dieser Woche.

What’s the matter with the children?5 Ich hoffe, Jennychen ist wieder all right!6 Grüß sie alle und Deine Frau herzlich.

Dein
F.E.

[Manchester] Montag, 11. Mai 57