[London, 9. Januar 1852]
Lieber Herr Weydemeyer!
Mein Mann ist seit 8 Tagen sehr leidend und hütet größtenteils das Bett. Er hat es aber trotzdem möglich gemacht, die beifolgende Fortsetzung seines Aufsatzes1 fertigzumachen, damit ja im Druck desselben, falls er wirklich begonnen, keine Unterbrechung entstehe.
Von Cluß aus Washington, mit dem Sie sich hoffentlich schon in Verbindung gesetzt haben, da Sie an ihm in jeder Hinsicht eine treffliche Stütze finden werden, haben wir vor ein paar Tagen einen Brief erhalten, woraus die bodenlose Gemeinheit Kinkels von neuem hervorgeht. Während nämlich der Heuchler den Freunden Karls aufs unverschämteste schmeichelt und ihnen schreibt, „er habe darauf gedrungen, sich mit Marx und den tüchtigsten Gliedern seiner Partei in Verbindung zu setzen“ (was eine reine Lüge ist), sucht er meines Mannes Privatcharakter aufs perfideste zu verdächtigen und erzählt auf die lügenhaften Einflüsterungen Willichs hin die erbaulichsten Geschichten von ihm und seinen Freunden.
Karl, der sich zu schwach fühlt, Ihnen heute selbst zu schreiben, läßt Ihnen noch durch meine Hand sagen, daß Sie doch in Ihrem Blatt2 etwas über unsre armen Kölner Freunde mitteilen sollen, um so mehr, als die Partei Kinkel nebst Hofschriftstellern und Kläffern und coulannten „Lithographischen Correspondenz“, ihre Existenzen und all ihre Leiden absichtlich ganz mit Stillschweigen übergehn, was um so infamer ist, als Kinkel seine Hauptpopularität grade Becker3, Bürgers und ihrem damaligen Organ4 verdankt. Aber die Leute schmachten in den Kerkern, werden scheußlich behandelt und müssen jetzt wieder 3 Monate länger sitzen, während die großen Zukunftsmänner Tausende im Namen der Revolution einstreichen und schon die künftigen Regierungsstellen verteilen.
Wie hat sich Ihre liebe Frau nach der schrecklichen Fahrt befunden? Was machen Ihre Kinder? Haben sie sich alle etwas akklimatisiert?
Doch die Zeit drängt sehr. Ich muß den Brief rasch zur Post bringen. Hoffentlich wird der Schluß des Artikels meinem lieben Karl leichter werden. Leben Sie herzlich wohl.
Ihre
Jenny Marx
Lupus ist wieder etwas besser. Er wird auch bald was schicken, ebenso Engels. Auch an Weerth sind Treibriefe abgegangen. Der rote Wolff hat sich verehlicht, und da er in den Flitterwochen, so kann er noch nichts liefern.