11. September 1855
28, Dean Street, Soho, London
Lieber Elsner,
Es war mir unmöglich, Ihnen letzte Woche zu schreiben, wegen einer gerichtlichen Verfolgung von seiten des würdigen Dr. Freund. Ich bin selbst durch ihn gezwungen, mich für eine Woche oder so von London zurückzuziehn. Es ändert dies letztre, während der Abwesenheit des Parlaments, natürlich nichts in meiner Korrespondierfähigkeit. Diesen Monat eröffnen Sie mir in Ihren Büchern also erst vom 11ten September.
Es versteht sich ganz von selbst, daß, sollte Ihre Zeitung nicht mehr zahlen, aber doch noch fortexistieren können, Sie nach wie vor über meine Beiträge verfügen würden.
Nach meiner Überzeugung ist Ihr Blatt unter den schwierigen Umständen und bei dem geringen Raum, worüber Sie zu verfügen, mit großem Geschick und Takt redigiert und dem verständigen Leser auch unter und zwischen den Zeilen zu lesen gegeben. Nichts kann abgeschmackter sein als der Vorwurf, „konstitutionelle“ Gelder zu empfangen. Einige sehr „konstitutionelle“ Bürger zahlten Aktien für die „N[eue] Rh[einische] Z[eitung]“. Wenn diese Herrn das später leid wurden, hatte die Redaktion ihnen wenigstens nie verboten, weiter zu zahlen.
Wenn ich nicht so sehr befürchtete, irgendeinen Bekannten durch bloße Korrespondenz von hier zu kompromittieren, würde ich längst im Interesse Ihres Blattes nach der Rheinprovinz geschrieben haben. Lassalle hat jedenfalls Unrecht gehabt, in Köln etc. nicht die Aufmerksamkeit auf die „N[eue] O[der-]Z[eitung]“ zu lenken. Ihm erlaubten es die Umstände.
Sollte die „N.O.-Z.“ untergehn, so müssen wir uns damit trösten, daß alles, was wir jetzt tun, treiben, beginnen, rein provisorisch und ein pis aller1 ist.
Mit bestem Gruß
Ihr
K.M.
Es hat sich hier in London ein deutsches Wochenblättchen aufgetan, gestiftet von dem französischen Ex(?)polizisten und Wiener Flüchtling Sigmund Engländer. Mitarbeiter: der Russe Herzen, Johannes Ronge und ein versoffner angeblicher Capitaine namens Korn.