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Marx an Moritz Elsner
in Breslau

[London] 17. April 1855
28, Dean Street, Soho

Lieber Elsner,

Ich werde auf einige Tage London verlassen mit meiner Frau.1 Dronke ist so gefällig, während dieser Zeit die Korrespondenz2 fortzuführen. Er wird Ihnen heute über Bonapartes Einzug berichten. Sollte ich ihn nicht mehr sehn, so muß ich diesen Brief besonders an Sie abschicken.

Einliegende 2 Artikel3 bilden den Anfang einer Polemik gegen den Panslawismus. Nach meiner Ansicht ist es höchste Zeit für Deutschland, sich ernsthaft mit den Gefahren, die ihm drohen, bekannt zu machen. Sie können diese Sachen drucken, wann es Ihnen gelegen, da sie nichts mit der Korrespondenz direkt zu tun haben. Indes ist es meine Überzeugung, daß keine Zeit zu verlieren, Alarm in Deutschland zu blasen. – Bei dieser Gelegenheit wird auch die Berliner „kritische Kritik“4 für ihren arroganten Blödsinn auf den Kopf geschlagen werden.

Ihr
K.M.

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Marx an Ferdinand Lassalle
in Paris

28. Juli 1855
28, Dean Street, Soho, London

Lieber Lassalle,

Ich befinde mich seit einigen Wochen auf dem Land, in einer Cottage, die mir ein Freund1, der nach Schottland gereist, abgetreten. So kam es, daß Dein Brief mir erst gestern zugestellt wurde. Ich habe jetzt übrigens Maßnahmen getroffen, daß die Briefe aus der Stadt mir sofort zugesandt werden.

Ich bin natürlich überrascht, Dich so nah bei London zu wissen, ohne daß Du auch nur für einige Tage herüberzukommen denkst. Ich hoffe, Du wirst noch in Dich gehn und entdecken, wie kurz und wohlfeil die Reise von Paris nach London ist. Wären mir die Tore Frankreichs nicht hermetisch geschlossen, so würde ich Dich in Paris überraschen.

Freunde habe ich einige in Paris, kann aber (ich schreibe in diesem Augenblick nicht in der Stadt) ihre Adressen erst schicken, wenn ich nach Soho fahre, wo sie aufbewahrt liegen.

Bacon sagt, daß wirklich bedeutende Menschen so viel Relationen zur Natur und der Welt haben, so viel Gegenstände des Interesses, daß sie jeden Verlust leicht verschmerzen. Ich gehöre nicht zu diesen bedeutenden Menschen. Der Tod meines Kindes2 hat mir Herz und Hirn tief erschüttert, und ich fühle den Verlust noch so frisch wie am ersten Tag. Meine arme Frau ist auch völlig downbroken3.

Siehst Du Heine wieder, so grüße ihn von mir.

Dein
K.M.