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Marx an Adolf Cluß
in Washington

[London, Mitte Oktober 1853]

...Von Ariost auf Klein ist ein großer Sprung oder vielmehr ein langer Fall und dazu ein casus obliquus1. Vater Klein schrieb mir – natürlich kein Wort von seinen Mißhelligkeiten und Stänkereien, sondern ersuchte mich um Empfehlungen an Weyd[emeyer] und Dich. Ich, in meiner Antwort (Pieper hat ihm keine Zeile, quant à vous2, geschrieben), schrieb natürlich nicht ein Jota, das W[eydemeyer] als einen Nichtfreund oder im mindesten zweifelhaft – wie solle ich zu solcher Gemeinheit kommen? – darstellte.

Ich habe nie, besoffen oder nüchtern, Äußerungen gemacht, daß die Arbeiter nur zu Kanonenfutter gut, obgleich ich die Knoten, unter die sich Klein by and by3 zu rangieren scheint, kaum gut genug dafür halte. Du wirst den kleinen Klein mit Diskretion behandeln, er hat wirklich Einfluß auf die Solinger Arbeiter, welche die besten in der Rheinprovinz, und er ist deshalb in time of action4 noch zu gebrauchen. Mit dem „Gradaus“ ist’s aus, da er nicht zahlt und Pieper zu sehr herunter ist, um für ihn gratis zu schreiben.

Mit der „Reform“ will ich sehen, wozu die andern zu treiben. Der Einzige, von dem reelle Unterstützung zu erwarten – Engels. Der rote Wolff verheiratet und Detailverkäufer von household words5 bei Prutz, Gutzkow und Cotta, für uns einstweilen keinen farthing wert. Lupus schreibt nicht; er ist so starrköpfig, daß das Pech mit der W[eydemeyer]schen „Revolution“ nicht mehr auszuwetzen ist mit ihm. Dronke, jetzt Kommis, faul wie eine Grisette. Weerth, seit 1 Jahr beinahe auf einer kommerziellen Wanderung durch Nord und Süd von Amerika. Engels hat wirklich Überarbeit; aber da er ein wahres Universal-Lexikon ist, arbeitsfähig zu jeder Stunde des Tags und in der Nacht, voll und nüchtern, quick im Schreiben und Begreifen, wie der Teufel, so ist von ihm doch etwas in dieser Sache zu erwarten...

Die Heinzensche Heldentat hat mich köstlich amüsiert. Wenn Ihr wieder einmal auch an den Kerl zu kappeln kommt, so haltet Euch an seine grobe Ignoranz und wie der Unglückliche mühsam von seinen Gegnern die Phrasen abschnappt, nachdem sie faul und abgestanden sind. Kostbar, wie der Kerl Würde anstrebt und nebenbei die Holerei. Schadet dem Dietsch nichts!

Die Hunde von Russen, sowenig ich sie für Europa befürchte, werden uns Deutschen verdammt aufsetzen. Wir sitzen mitten in der Patsche zwischen Kalmüken und crapauds...

Ruge hat nach dem „Herold des Westens“ eine Schmiere an die „N[eu-]E[ngland]-Z[eitung]“ geschickt gegen allerlei Kommunisten, welche diese nicht druckte. Bürger Schläger, Bürger Schläger! da war Jacobys Anwesenheit wohl doch von Nutzen. – Kompromittiert Euch nur nicht mit Dulon, dem „protestantischen Lamennais von der Lüneburger Heide“. Bin begierig, ob dieses notoriöse alter ego Ruges die verlangte Schmiere an Heinzen schickt. Dann ist die „Reform“ wieder einmal blamiert, wenn Ihr nicht vorsichtig steuert...

Nach: Brief von Cluß an Weydemeyer vom 2.November 1853.