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Marx an Joseph Weydemeyer
in New York

[London, Anfang Oktober 1853]

…Blind merkt plötzlich, daß die Messer- und Gabelfrage ebenso wichtig ist wie die süddeutsch aufgefaßte türkische Frage. Du weißt, daß der Herr sehr vornehm geworden war, sehr homme d'état1, sehr höhere Emigration, und daß er bei Gelegenheit eines Artikels von Pieper – leichtsinnig geschmiert, wie für die „Neu-England-Zeitung“ passend und von einem Obdachlosen stehenden Fußes nicht anders fabriziert werden konnte, worin Pieper sich über Rußland lustig machte – nicht weniger als 3 Artikel in 2 Monaten in der „Neu-England-Zeitung“ losließ, mehr oder weniger fraternisierend (alte Liebe rostet nicht) mit Heinzen etc. So war er auf gespanntem Fuße mit uns. Wenn ich „Uns“ sage, so nehme ich Herrn Lupus aus, den seine „Mornings Advertiser“-Sympathien natürlich zu Blind zogen und der überhaupt seit geraumer Zeit die Eigentümlichkeit behauptete, mit seinen sog. Parteifreunden zu knurren und mit politischen Philistern zu sympathisieren. Vor ein paar Tagen also erscheint Herr Blind wieder, um meiner Frau einen Brief an Cluß zu bringen, d.h. für Wolff, der ihm zärtlichen Abschiedsbrief geschrieben, ihn zur Korrespondenz aufgefordert und ihm die Adresse Cluß' hinterlassen hatte. Meine Frau belehrte ihn natürlich darüber, daß England einstweilen noch den großen Türkenfreund birgt. Aber das war natürlich nicht der Grund, warum der falstaffmäßig aufgeschwollne Exfreund kam. Das badische Gericht hat das ganze Vermögen der Kinder erster Ehe (die 2te im 13ten arrondissement2 geschlossen) sequestriert, bis sie den Juden nach Deutschland, die sie jüdisch ziehen wollen, ausgeliefert. So ist Herr Blind auf 1/4 seines oder seiner Frau Einkommen reduziert, und die „Messer- und Gabelfrage“ scheint ihm jetzt doch in Betracht kommen zu müssen, noch ehe der Türkenkrieg entschieden und Petersburg gestürmt ist. Bei so bewandten Umständen, und da er die Hülfe des Advokaten Jones (Ernest) braucht, erinnerte er sich dann auch wieder, daß ich existiere, was mir natürlich verdammt schmeichelhaft ist.