[London] 8. März 1855
28, Dean Street, Soho
Lieber Engels,
Die £ 5 erhalten.
Ich kann von hier nicht fort, bis Colonel Musch sichtbar hergestellt. Indes hat er diese Woche rasche Schritte zur Rekonvaleszenz gemacht, der Doktor war heute exceedingly pleased1 und nächste Woche ist vielleicht alles all right. Sobald ich mit gutem Gewissen fort kann, schreibe ich Dir. Ich denke, nächste Woche.
A very happy event2, der Tod des 90jährigen Onkels3 meiner Frau wurde uns gestern mitgeteilt. Dadurch spart meine Schwiegermutter eine jährliche Abgabe von 200 Talern und meine Frau wird an 100 £ bekommen; mehr, wenn der alte Hund den Teil seines Geldes, der nicht Fideikommiß war, nicht seiner Haushälterin vermacht. Die Frage mit dem Manuskript des Herzogs von Braunschweig über den 7jährigen Krieg, wofür der alte Scharnhorst schon große Summen angeboten hatte, wird auch zur Entscheidung kommen. Meine Frau hat sofort Protest eingelegt gegen etwaige Versuche ihres Bruders4, es seinem „Allergnädigsten“5 als Präsent zu übermachen. Für bares Geld mag der preußische Staat es akquirieren, but not otherwise6.
Eine andre mögliche Geldzufuhr hat sich aufgetan. Meine Frau hatte bei einem Bankier Grach in Trier 1300 Taler deponiert. Der Kerl machte Bankerutt, und in bezug auf sie fraudulös, da er schon fallit war (obgleich ohne Wissen des Publikums), als er das Deposit akzeptierte. Auf Anstehn der Frau dieses Grach ließ sich meine Frau „erweichen“ und stand davon ab, die Sache gerichtlich zu betreiben. Der Oberprokurator hatte erklärt, daß im gegenteiligen Falle Grach vor die Assisen kommen werde. Nun hat die Frau dieses G[rach] ein großes Vermögen geerbt, und wenn sie ihren Versprechungen treu bleibt, ist auf den Ersatz von wenigstens einem Teil des Verlustes zu rechnen. Jedenfalls wird so die „Vergangenheit“ endlich einmal abgezahlt und diese Last von den Schultern fallen.
Die Broschüre des Nap[oleon] Bonaparte – (Girardin erklärt in der „Presse“, daß er nicht der faiseur7) – hat mich sehr amüsiert.
Trotz des Versuchens, „le prince“ in Pose zu setzen, trotz der französischen Renommisterei, Oberflächlichkeit, blunders in militaribus8, ist die Broschüre Gold wert als Denkstein für unsern Leroy, alias St.-Arnaud, und überhaupt zur Charakteristik des „imperial Barnum“9 und seiner Tafelrunde.
Ein Punkt, worüber Du mich aufklären mußt in der Krimscheiße, ist folgender: General Evans sagt vor dem Komitee, der Hauptgrund des melting der army10 vor Sewastopol sei der Mangel des Wegs vom Hafen von Balaklawa gewesen, 1000 Mann während 10 Tagen würden hingereicht haben, ihn zu bauen, aber – et c’est la question – all men who could have been spared were employed in the trenches11, und von vornherein sei der Umfang der Linien, die die Engländer einzunehmen, im größten Mißverhältnis to their numerical strength12 gewesen. Frage nun, ob die Franzosen als contrivers dieses mischief13 betrachtet werden dürfen?
Ich habe vor einiger Zeit wieder die römische (alt) Geschichte durchgegangen bis zur Zeit des August[us]. Die innere Geschichte löst sich plainly14 auf in den Kampf des kleinen mit dem großen Grundeigentum, natürlich spezifisch modifiziert durch Sklavereiverhältnisse. Die Schuldverhältnisse, die eine so große Rolle spielen von den origines15 der römischen Geschichte an, figurieren nur als stammbürtige Konsequenzen des kleinen Grundeigentums.
Von dem Pfaffen Forster sah ich heute 3 Werke angezeigt, alle unter dem gemeinsamen Titel der „Original Language“.
Herr Herzen, wie Du gesehn haben wirst, läßt sich jetzt auch in der Augsburger „A[llgemeinen] Z[eitung]“ puffen. Gleichzeitig erscheint sein speech16 (im Jonesschen Meeting) im „People’s Paper“ als Flugschrift und in dem braven „L’Homme“ des père17 Ribeyrolles.
Adieu.
Dein
K.M.