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Marx an Engels
in Manchester

[London] 3 March 1855
28, Dean Street, Soho

Lieber Frederic!

Du erhältst Dienstag ausführlichen Brief von mir. Heute nur diese wenigen Zeilen, um Dir die Gründe des Schweigens zu erklären:

1. Musch ein gefährliches gastrisches Fieber, das noch nicht beseitigt (dies das Schlimmste).

2. Der baby grew every day worse1, störte das ganze Haus, so daß vor einigen Tagen Ammenwechsel nötig.

3. Meine Frau, obgleich das Wochenbett famos vorüberging, bekam einen sog. Umlauf am Zeigefinger der rechten Hand. Klein, wie dies Leiden, sehr intensiv und irritierend. Gestern ist die Sache operiert worden.

4. Ich erst die Augenscheiße, die jetzt ziemlich beseitigt; dann einen solchen ekelhaften Husten, daß ich einige Flaschen Medizin saufen und einige Tage sogar das Bett hüten mußte.

Du siehst, das ganze Haus war und ist noch zum Teil Lazarett.

Ich werde Dir die Scheiße von Herzen besorgen; ebenso das „People’s Paper“ von gestern, wo Du die common proceedings2 von Jones and Herzen lesen kannst. Soll ich den Jones zur Türe hinauswerfen, wenn er wiederkömmt, oder soll ich „diplomatisch“ verfahren?

Der Doktor erklärt, daß mir Luftveränderung nötig, da ich seit 2 Jahren die precincts of Soho Square3 nicht verlassen. Ich würde daher gerne Manchester heimsuchen, ehe meine Frau wieder nach Trier reist. Solltest Du wegen bevorstehender Ankunft des Alten oder sonst andrer Gründe halber in Deinem Hause geniert sein, so könnte ich mir 1 Zimmer in M[anchester] mieten. Jedenfalls muß ich – natürlich erst, nachdem hier alles wieder in Ordnung – einmal für kürzere Zeit hier fort, da die leibliche Verdumpfung mir auch das Hirn stultifiziert4.

Que dites-vous de la mort de Nicholas?5 Gut ist die Anspielung der „Times“, daß er zum Teil vor Schrecken gestorben, weil „his worst enemy“6 – Palmerston – Premier in England.

Vale faveque.7

Totus tuus8
K.M.

Von Cluß seit Monaten nichts gehört.