186
Marx an Engels
in Manchester

10.November 1854
28, Dean Street, Soho, London

Lieber Engels!

Der Artikel famos.1 Mit Dienstag oder Freitag richte es ein, wie Du willst, obgleich ich noch nicht weiß, ob ich einen secretary ready2 haben werde, da meine Frau seit 3 Tagen bettlägerig ist, teils aus Unwohlsein, teils aus Wut, da der brave Dr. Freund uns wieder mit Trittbriefen bombardiert hat, die grade bei der bevorstehenden Katastrophe um so fataler sind. Generally, the situation is not pleasant.3

Vater Göhringer sitzt im Schuldturm. Seine Wirtschaft ist geschlossen. Bankerutt. Daher der revolutionäre Feuereifer, den der Edle in der letzten Zeit wieder entwickelt haben soll.

Pieper muß in seiner Anstalt von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends arbeiten und ungefähr 20× beten während der Zeit, was ihm „guttut“. Weder rauchen, noch trinken. Die Jungen in die Kirche führen, etc. Er war vor ein paar Tagen auf eine Stunde in der Stadt. Sah sehr wohl aus.

Lupus hat den Dronke für Weihnachten nach Manchester eingeladen und Dronke den Imandt.
Sonst nichts Neues.

Dein
K. M.

187
Marx an Engels
in Manchester

22.Nov. 1854
28, Dean Street, Soho, London

Lieber Engels,

Die £ 2 erhalten, yesterday1.

Einliegend Brief von Dana, der Dir zeigt, wie die Humbugs2 die militaria benützen. Das darin angeführte Buch von Ripley über den Mexican war ist mir noch nicht zugekommen. Ich werde es morgen holen lassen, durchblättern und dann Dir zusenden.

Wenn Du irgend kannst, schick Freitag einen article, da ich Dienstag über Spanien geschrieben3 und das unter present circumstances4 nicht zweimal die Woche geht, andrerseits bei meinen sehr schwierigen Finanzverhältnissen solcher Ausfall in jeder Hinsicht schlimm.

Seine Ehrwürden, Staatsanwalt Blind, hatten schon bei dem Eintreffen des falschen Gerüchts von der Einnahme von Sewastopol den Plan gefaßt, ein deutsches Meeting zu halten – das auch von einer Prinzipienerklärung begleitet sein sollte – gegen Rußland, die deutschen „Fürschten“ und speziell ad majorem gloriam5 des Herrn Staatsanwalts und der deutschen Emigration in corpore. Bei der Gelegenheit sollten die „Chefs“ aller Fraktionen peacefully6 zusammenkommen. Ich und Freiligrath schlugen natürlich diesen Angriff ab, wodurch zunächst Blinds Plan vereitelt worden. Mais comme les grands esprits se rencontrent7, war der unermüdliche Arnold Ruge – der jetzt allerlei Seiche im „Morning Adv[ertiser]“ ablagert – auf einen ähnlichen Einfall gekommen, und auf ein Einladungsschreiben desselben fand ein vorbereitendes Meeting statt, composed of8: Vittinghof {(Hühneraugenoperateur; 60 Jahre alt; Kurländer, der keine Sprache spricht; ehemaliger Bedienter bei dem kurländischen Grafen Vittinghof, sich jetzt für seinen eignen Herrn ausgebend. Dieser V[ittinghof] nach Arnolds Plan sollte präsidieren; eine Bande von deutschen Kaufleuten (Gerstenzweig etc.) das Geld zahlen und das Meeting zusammenrufen, und unter ihren Auspizien die deutschen Flüchtlinge auf der Plattform losgelassen werden)}. Römer (Beckers Stiefvater und notorischer Mouchard). Meyen. Buchheim. Ronge. Ruge. Blind. Geck.9 – Resultat des Meetings war, daß Geck und Ronge sich mehr oder minder „herausforderten“. Staatsanwalt Blind zog sich entrüstet aus dem Meeting zurück, weil Waschlappen Ruge das Wort „Republik, das uns alle vereint“, nicht in das Programm aufnehmen wollte. Blind kam nachher zu mir – ich war nicht zu Haus – und beklagte sich „bitter“ bei meiner Frau über die „Verachtung“, der die „deutsche Emigration“ genieße, und daß wir alle „gemeinsamen“ Schritte verhinderten. Als wenn irgendeiner von uns die 7 oder 8 Esel verhinderte, sich zu „vereinen“ und zu „manifestieren“. (Allerdings hatten wir ganz im geheimen vor – was übrigens dem Staatsrat Blind bis zu diesem Augenblick unbekannt ist –, wenn das Meeting der Kerls Aufsehn machte und sie „Teutschland“ gar zu sehr kompromittierten durch Kriechen vor den Engländern, – mit Hilfe der Londoner Chartisten vielleicht ein Gegenmeeting zu halten.) – Du siehst, die „großen Männer des Exils“ glauben, daß wieder etwas „getan und getrieben“ werden muß.
Bei der Gelegenheit erzählte Blind dann auch meiner Frau, daß „Baden allein den Mut gehabt, eine Republik zu proklamieren“ etc. etc. Sonst nichts Neues.

Dein
K. M.