Manchester, 23.März 54
Lieber Marx,
Inl. den Brief von L[assalle] zurück. Den ersten vergaß ich damals beizulegen, er ist noch hier. Die 2/2 Noten vorgestern und gestern wirst Du erhalten haben. T/B 58 166, Newcastle on Tyne, 17.August 1852, £ 5.
Lassalles strategische Operationen sind sehr diplomatisch. Auf die Geschichte mit Enos und Rodosto antwortet er mit der dummen Phrase, die ja selbst bloß Sand in die Augen streuen soll, daß Konstantinopel zu decken sei; wenn die 2 Flotten und die Donauarmee es nicht decken, so decken auch 100 000 Franzosen und Engländer es nicht. Er hätte sagen müssen, von seinem Standpunkt aus: in Rodosto sind sie jedenfalls näher zur Hand als in Malta oder Toulon, um nach Sewastopol oder Odessa geworfen zu werden.
Die Vorstellung, als stünden die Östreicher beim Einrücken in Serbien „im Rücken der türkischen Donauarmee“, ist grundfalsch. Die Östreicher müssen bei Belgrad oder nicht viel weiter abwärts hinüber, oder über Mehádia auf dem linken Donauufer in die Walachei. Im ersten Fall stehn sie in der Verlängerung des türkischen linken Flügels, im 2. in seiner Front. Daß alsdann Kalafat und Widdin, außer einer Besatzung, preisgegeben werden müssen, ist klar, aber nicht, daß dieser türkische linke Flügel verloren ist und seine Reste sich auf die Schumla-Linie replizieren1 müssen. Au contraire2, 1. ist die richtige Taktik der Östreicher, sofort über Nissa nach Sofia zu marschieren, also die richtige der Türken, von Widdin ebenfalls auf Sofia zurückzugehn. Da sie den kürzeren Weg haben, sind sie vor den Österreichern da und können sich im Balkan halten oder auf Adrianopel zurückgehn.
2. Sollten die Östreicher dumm genug sein, auf Widdin zu marschieren, so gehn die Türken doch nach Sofia. Diese Trennung von Omer Paschas Hauptkorps ist dann keine Zersplitterung der Kräfte, da der neue Feind eine neue Operationslinie Adrianopel—Sofia—Belgrad—Widdin erheischt; der türkische linke Flügel wird also eine selbständige Armee.
3. Sollte aber die wundersame Kriegführung Lassalles come to pass3, so hilft alles Replizieren auf die Schumla-Linie nichts, da diese durch die Preisgebung der Hauptstraße von Belgrad nach Konstantinopel bereits umgangen ist und im Gegenteil erst recht verlassen werden müßte, Hals über Kopf, um bei Adrianopel alle Reserven zu sammeln und gegen den ersten Feind, der den Balkan passiert, vorzudringen.
Man sieht übrigens, daß alle diese Lukubration4 aus der „diplomatischen Quelle“ herrühren, die gern mit strategischen Entwicklungen zu renommieren scheint.
An die „Daily News“ schick ich morgen eine Beschreibung von Kronstadt, ich fürchte, so fehlerhaft viele Fortifikationen auch sind, so gehn doch ein halb Dutzend Schraubenlinienschiffe zum Teufel, eh’ es klein beigibt.
Die highwaymen5 sind so gütig gewesen, Lupo6 sein pocket-book7 minus 7 preußische Talerscheine zurückzuschicken. Für Geld und Uhrenersatz wollen seine Philister etwas tun, vielleicht kriegt er auch noch einiges Schmerzensgeld dazu. Für die Kontusionen sorgt Borchardt, und so löst sich die Sache.
„Jedoch den Schrecken, seinen Schreck,
Den kann ihm niemand ersetzen.“
Darum ist er auch ganz caduc8 und knurrig und scheint zu glauben, Heise und ich seien verantwortlich für seinen Blödsinn, die Prügel und alles.
Was ist das für ein Kerl, der sich durch Heinzen als Redakteur der „N[euen] Rh[einischen] Z[eitung]“ ausgeben läßt? Siehe die letzte Sendung „Reformen“, Nr. 50 etwa.
Dein
F. E.