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Marx an Engels
in Manchester

[London] 9 March, 1854
28, Dean Street, Soho

Lieber Engels,

Ich habe lang’ nicht geschrieben, weil ich sehr viel trouble1 im Hause habe, so daß ich selbst die Zeitungen nicht ordentlich gelesen und daher nicht weiß, ob schon etwas von Dir in der „Daily News“ erschienen ist und wie diese ganze Affäre steht2.

Mit meinem Palmerston bin ich noch zu nichts, d. h. zu keinem farthing Geld gekommen und scheint mir auch keine Aussicht dazu zu sein. Herr Trübner hat mir selbst erzählt, daß quant à lui, es sein principle3 ist, nie für die Sachen zu zahlen, die er verlegt. Außerdem ist die Sache au moment4 veraltet.

Dienstag werde ich den letzten Probeartikel nach dem Cape5 schicken. (Du mußt mir daher irgend etwas für die „Tribune“ zurechtmachen, perhaps the Greek revolution6?) Dienstag ist das letzte Mal, daß die regelmäßige Co. nach dem Cape geht, da sie sich mit der Regierung wegen der Preisbedingungen überworfen hat.

Es ist ekelhaft vorauszusehn, daß ich den kommenden Frühling und Sommer wieder in demselben chronischen Druck durchmachen werde wie die früheren, da es mir mit der bloßen Einnahme mit der „Tribune“ nicht möglich ist, die vergangnen Passiva abzuarbeiten. Ich werde von Zeit zu Zeit wild, daß der Dreck gar kein Ende nimmt.

Den Brief von Lassalle hast Du nicht, wie Du in Deinem letzten Briefe anzeigst, zurückgeschickt. Ich brauch’ ihn nicht, aber muß nur wissen, daß er nicht per Post verlorengegangen oder in unrechte Hände gefallen.

Ich habe vom LabourParliament eine Einladung erhalten, als Honorary Delegate7 in Manchester zu tagen (Nadaud und Louis Blanc auch).

Ich hab’ ihnen heute ein Dankschreiben geschickt und einige Phrasen gemacht, die, je nachdem man sie liest, sehr extrem oder sehr mild verstanden werden können.8 Jones habe ich Deine Comptoir-Adresse heute geschickt.

Der große Ruge beabsichtigt, eine Universität (freie) in Amerika zu gründen, und sind, wie Heinzen anzeigt, zu diesem noblen Zweck schon 150 Dollars zusammengebracht.

Der große Franz Sigel ist Schwiegersohn Dulons geworden. Was sich sonst in dieser Bande zugetragen, wirst Du aus einem Paket ersehn, das Dir in ein paar Tagen über den Hals kömmt.

Urquhart hat gestern einen militärischen (?) Artikel in dem „Advertiser“, worin er behauptet, die Türken hätten ihre Hauptarmee in die Dobrudscha schicken und von dort den Russen auf den Pelz rücken müssen. Bezieht sich auf General Valentini. Ich werde sehn, daß ich Dir die Nummer hinschicke.

An Lassalle habe ich geschrieben und erwarte weitere Mitteilungen von ihm.

Tzschirner war hier, traf mich nicht, ist wegen einer Geldgeschichte mit seiner 80jährigen Mutter nach Amerika und siedelt sich dann hier an. Behauptet, Dich schon zu kennen, wie Imandt mir erzählt.

Dein
K. M.