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Engels an Marx
in London

Lieber Marx,

Morgen, wenn irgend möglich, schick' ich Geld. Dein Brief kam Samstag zu spät, um noch etwas zu machen, diese Woche hatte ich allerlei Historien, morgen geht's besser, denk' ich, und der alte Buchhalter ist avertiert1.

Der Kleine2 war am Samstag hier. Daß er geklatscht hatte, war mir klar von dem Moment, wo er an Borchardt schrieb. Er hatte diesem den höchst blamablen Brief Lupi geschickt, worin dieser sich direkt und sehr ernsthaft an die „mildtätige Hand“ der Bradforder Juden wendet: C'était une lettre à la brûler de suite3, und Borchardt schickte sofort großmütigst ein Pfund Almosen für L[upus], übrigens in sehr anständiger Form, which he could very well afford4, da dies ihn von allen seinen Verpflichtungen entband. Ich muß gestehn, dieser Brief von Lupus hat mich sehr fatal berührt, noch fataler aber die Taktlosigkeit des Kleinen, ihn dem B[orchardt] in die Finger zu geben. Ich wusch ihm übrigens gehörig den Kopf darüber.

Enfin c'est fait.5 Laß Lupus, wenn er nach L[iverpool] geht, nur ja direkt hierher kommen, womöglich auf einen Freitag, ich werde dann ein Rendezvous mit dem Kleinen veranstalten. Wenn Lupus, wie Dr[onke] vorhatte, erst nach Bradford kommt, so entwickelt sich der cancan6 nur noch mehr.

Daß Jacobi nach Amerika will, weißt Du. Der Kerl ist doch trop mou7 und macht selbst auf die Philister den Eindruck eines hülflosen Menschen. Ich glaub' nicht, daß er je Praxis kriegt, so sehr er danach schmachtet. Dabei muß man immer lachen, wenn man bedenkt, daß der Kerl noch Jungfer ist.

Dein
F. E.

[Manchester] Mittwoch, 24. August 53