90
Engels an Marx
in London

Lieber Marx,

Es ist mir über beil. Artikel1 1 Uhr nachts geworden, aber morgen früh 9 geht noch eine Post. Ich will das Experiment versuchen, ob Du ihn noch zur Zeit für den Steamer erhältst (Dienstag abend per ersten Mail2 nach Liverpool), wo nicht, mußt Du ihn per Freitagssteamer senden.

Morgen muß ich aus der Stadt, komm’ ich früh genug wieder, so schick’ ich Dir Geld.

Erhalte ich bald einen Artikel über England für die „Tribune“? Ich kann jetzt wieder arbeiten.

Cobden scheint in seinen Ministerhoffnungen von Graham und Russell etwas enttäuscht worden zu sein, diese scheinen ihn kühl abfahren zu lassen, sonst kann ich mir seine Wut am Freitag nicht erklären. Seit 1844 hat der Kerl nicht so ingrimmig gesprochen. He is a disappointed demagogue again3, solange wie es dauert. Übrigens ist es gut, daß die Tories in der Majorität waren, nun kriegen wir doch Disraelis Budget zu hören. Hätte der Kerl mehr Kenntnisse und Verstand und weniger Schlauheit und Diebsgelüst, so wäre nichts leichter, als den Freetradern4 ein free-trade-Budget zurechtzumachen, wobei ihnen grün und rot vor den Augen wird. Wenn sich die Kerle nur halten, bis die Krise kommt! Wir sind décidément im excitement5, obgleich auch dies noch sehr piano piano geht. Aber einerlei, die sechs Seiten joint-stock-Annoncen6 der heutigen „Daily News“, woraufhin sie schon die „Times“ auszustechen glaubt, und dazu die ca. 50–80 ausländischen Eisenbahn-, Goldminen-, Dampfschiffs- pp. Gesellschaften werden ihre unvermeidliche Wirkung nicht verfehlen. Der Geschmack „nach mehr“ bleibt nicht aus. Glücklicherweise ist der einzige Umstand, der die Baumwollindustrie-Überproduktion frühzeitig unterbrechen konnte, beseitigt; die neue Ernte wird weit über 3 Millionen Ballen, die größte also, die je da war, und Baumwolle geht wieder herunter; an Rohstoff wird’s also nicht fehlen. Jetzt nächstes Jahr eine Mißernte in Korn, und wir werden einen schönen Tanz erleben. Ohne eine solche ist bei den anormalen Verhältnissen, den wie Pilze wachsenden australischen und kalifornischen Märkten, wo 1 Individuum ca. 4mal soviel konsumiert als anderswo, weil fast keine Weiber und Kinder da sind und viel Gold in den Städten verludert wird, bei dem neuen Markt, den die Kalkuttaer Häuser jetzt schon in Birma exploitieren, bei der Ausdehnung des Handels von Bombay und Karatschi mit dem Nordosten von Indien und den Grenzländern (diese speziell ist sehr groß) usw., schwerlich zu sagen, ob es im nächsten Jahr schon zu etwas Dezisivem7 kommt.

Dein
F.E.

Manchester, Montag 29.Nov. 52