Lieber Marx,
Heute abend sind mir £ 2 zugesagt, die ich vor einiger Zeit verpumpt hatte; bekomme ich sie, so schick’ ich sie Dir gleich morgen in einer P[ost] O[ffice] Ordre1 und schreibe Dir auch ausführlicher.
Da wir von Weyd[emeyer] gar nichts mehr hören und nach den Briefen von Cluß die Sachen2 doch schließlich abgegangen zu sein scheinen, so ist es vielleicht gut, wenn wir einmal bei Edwards Sanford und Co. in Liverpool anfragen, ob sie kein Paket erhalten haben. Wenn Du weiter nichts hörst (der Steamer war gestern abend noch nicht da), so könnte ich das jedenfalls tun.
Aus Deinem Bericht scheint hervorzugehn, daß dem Herrn Kinkel durch die Beschlüsse vom 3. [August] vorderhand das Geld aus den Fingern gerissen ist.3 Herr Imandt macht sich ja ganz gut in seiner Art. C’est drôle, quand un Schapper nous échappe, un Imandt est toujours sûr de revenir à nous.4 Jedenfalls aber ein Deus minimorum gentium, canis domesticus communismi germanici5 und als solcher brauchbar, da wir dergleichen Leutchen doch jetzt kurzzuhalten gelernt haben.
Die Zerrissenheit in der Brust des edlen Willich muß groß sein, nachdem durch die Trennung vom coffre-fort6 der Emigration der letzte Reifen gesprungen ist, der sein edelmütiges Bewußtsein noch zusammenhielt. Er hat übrigens offenbar längst den Getreuen drüben seine Ankunft angezeigt, da diese auf einen wichtigen Brief Willichs hin ja bereits große außerordentliche Generalversammlungen berufen haben. Herr Willich wird dort Chef der loafers7 und rowdies werden und solchergestalt seltsame Gelegenheit finden sich auszuzeichnen. Übrigens findet er seinen Stammfeind Schramm8 ja auch dort, das wird schöne Skandäler setzen.
Daß Herr Kossuth wirklich bereits Kompanien hat einexerzieren lassen und Napoleon-Sigel den Rekruten-Einpauker spielt, ist wirklich schön. Dieser K[ossuth] ist doch ein namenloser Schwindler; daß Cluß ihn aus Amerika vertrieben, ist einer der famosesten Coups, die er gemacht hat.
Übrigens mache ich den ungarischen Feldzug jetzt baldigst und schreibe noch diese Woche direkt an Brockhaus. Ich werde sehn, daß ich ihm, wenn er meinen militärischen Kapazitäten nicht traut, vorher ein paar einschlagende Artikel für die „Gegenwart“ mache, wo er dann sehn kann, was daran ist. Dronkes Verbindung mit Brockhaus ist sehr gut und muß benutzt werden, der Br[ockhaus] ist am Ende noch einer der traktabelsten Buchhändler. Nous allons voir.9
Den Artikel für Dana10 vor[igen] Donnerstag schreibend, wurde ich unterbrochen, ich werde dafür diese Woche wo möglich 2 machen. Auch über England erwarte ich von Dir wieder etwas. Vorige Woche war noch an Arbeit wenig zu denken, ich hatte während D[ronke]s Anwesenheit manches vernachlässigt, was mich beschäftigte, jetzt komm’ ich allmählich wieder in Train11.
Grüße Deine Frau und Kinder.
Dein
F.E.
[Manchester] 16. August 1852