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Engels an Marx
in London

Lieber Marx,

Die erste Hälfte des Artikels1 wirst Du gestern nachmittag englisch und deutsch zurückerhalten haben. Die zweite2 hast Du Dienstag morgen. Was das Herauswerfen aus der „Tribune“ angeht, so mache Dir keine Sorgen. Wir sitzen da zu fest. Dabei ist dies europäische Politisieren bei den Yankees ja doch Dilettantismus, wo der siegt, der am besten schreibt und am meisten Esprit hat. Heinzen schadet uns nicht; kaufen ihn die Whigs, so ist’s, daß er ihnen gehorcht, nicht daß er ihnen befiehlt. Ruge, Bauer pp. sichern der „Tribune“ neben uns ihre „Allseitigkeit“. Was die Schutzzöllnerei angeht, so schadet das nichts. Die amerikanischen Whigs sind alle industrielle Schutzzöllner, aber darum noch lange keine grundaristokratischen Derby-Protektionisten. So dumm sind sie auch nicht, daß sie nicht ebensogut wie List wüßten, daß für die englische Industrie der freetrade am konvenabelsten3 ist. Übrigens kann ich im Notfall bei den freetraders hie und da ein Wort deshalb einschieben, was Du ja wieder ausstreichen kannst, wenn es Dir nicht gefällt. Es ist aber nicht einmal nötig.

Ich dachte, Du hättest das Diskontogeschäft mit Johnson seit lange gemacht, und hoffe sehr, daß es zustande kommt. Was mich betrifft, so reite ich mich täglich tiefer in Geldsachen fest. Vater Dronkes Besuch ist mir zwar sehr angenehm, da aber abends nicht gearbeitet werden kann, so wird ziemlich Geld verbummelt, und dazu die laufenden disbursements4, nebst £ 20 Schulden im Haus, das setzt einen fest. Nächste Woche (Anfang) will Dronke zurück, und dann werde ich eine Zeitlang tüchtig arbeiten, Stoff genug hab’ ich hier, und dann auch bis Ende September wieder einiges Geld disponibel bekommen – ein paar Pfund im September5 gewiß. Zum äußersten Pech hat mich in einer bösen Stunde auch noch Herr Pindar angepumpt, der noch immer auf drei Stunden herumreitet und sich rührend verliebt zu haben scheint – pauvre garçon, il faut l’avoir vu sous l’empire de l’émotion plus ou moins vierge6. – Dazu hab’ ich in den letzten Tagen des Juni aus allerlei Umständen nicht dazu kommen können, meinem Herrn Alten noch einige Extras auf Rechnung zu bringen, die jetzt auf meine Rechnung kommen. Indessen sind wir jetzt an der Bilanz; sie geht mich zwar noch nichts an, aber sie wird mir doch einen Maßstab geben, wie weit ich gehen kann. Fällt sie gut aus – was ich in ca. 4–6 Wochen wissen werde, dann kann ich schon was riskieren, und dann erhältst Du gleich einiges Geld. Nur in diesem Monat sitz ich wegen der £ 20 oder 25, die ich im Hause schuldig bin, total fest.

Ich weiß nicht, wie ich’s anstellen soll, daß ich einen Artikel Germany für Dana hinter Dr[onke]s Rücken mache, der die Sache nicht kennt; – auf dem Comptoir hab’ ich jetzt alle Hände voll bis nach 7 Uhr abends, da kann ich’s also nicht. Cependant je verrai7.

Grüß Deine Frau und Kinder bestens von

Deinem
F.E.

[Manchester] Freitag, 6.Aug. 1852

Inl. für 9 sh. und einige Pence stamps8.
Dr[onke] trägt mir auf, Dir zu schreiben, daß er Anfang nächster Woche wahrscheinlich kommt.