1852

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Engels an Marx
in London

Lieber Marx,

Hoffentlich wirst Du by this time1 von Deinen Leiden vollkommen hergestellt sein, und ebenso hoffe ich, daß Deine Frau mir nicht länger wegen des coup d’état zürnen wird, der Dich für 2 Tage in so tiefe Melancholie versenkte. Jedenfalls bitte ich, sie und Deine Kinder bestens von mir zu grüßen.

Ich werde für nächsten Freitagssteamer einen Artikel für Weydem[eyer] zurechtmachen und hoffe von Dir irgendeine actualité für die „Tribune“ zu erhalten, die ich sofort übersetzen werde. Bei dem Blatt hat man sich wahrhaftig nicht anzustrengen. Barnum stolziert in seinen Spalten in Lebensgröße herum, und das Englisch ist grauenhaft – sonst hat es indes auch einige gute Eigenschaften, die unsre line2 übrigens nichts angehn. Kannst Du es mir bis Donnerstag – selbst mit der II. Post – herbesorgen, so hast Du die Übersetzung in London zeitig für Samstagssteamer, i. e. mit der 2ten, am Freitag dort ankommenden Post. Nächste Woche werden dann die Artikel über Deutschland aufgenommen und sollen rasch vollendet werden.

Die Plattheit, mit der die Östreicher den L[ouis]-N[apoleon] nachmachen und sofort ihre Konstitution auch abschaffen, ist doch sehr arg. Jetzt wird es einen schönen Tanz in Preußen setzen – es ist kein Zweifel, daß Preußen von Östreich verraten und verkauft ist und, wenn es nicht auch die Konstitution abschafft, sehr leicht von einer russisch-österreichisch, französischen Allianz ekrasiert3 werden kann.

1851 hat die englische Baumwollenindustrie wöchentlich 32 000 Ballen konsumiert, gegen 29 000 Ballen 1850. Das ganze Surplus, und bedeutend mehr, ist nach Ostindien und China gegangen; die Überführung dieser 2 Märkte und der Home Trade4 nähren jetzt Manchester fast allein, da nach dem Kontinent sehr wenig geht. Das kann nicht lange mehr dauern. Die Sache treibt sich hier sehr auf die Spitze, und z. B. daß die Baumwollpreise angesichts einer unerhört großen Ernte in vollem Steigen begriffen sind, bloß in Erwartung eines noch größeren Konsums, ist doch schon bezeichnend genug.

Von Weerth hatte ich heute ein paar Zeilen aus Bradford – er erkundigt sich wegen des Hanebücher Lüders, der an ihn geschrieben hat. Kannst Du mir etwas mitteilen, ob und wiefern dieser alte Esel sich bei den dortigen Intrigen beteiligt hat, so soll’s mir angenehm sein und wird vielleicht nützlich werden. Sonst hier nichts Neues, business with us slack5, Nebel und Rauch die Masse.

Dein
F. E.

[Manchester] 6. Jan. 52