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Jenny Marx an Joseph Weydemeyer
in Frankfurt a.M.

[London, um den 20. Juni 1850]

Lieber Herr Weydemeyer!

Mein Mann ist ganz erstaunt, daß Sie das Geld an Naut schicken konnten, ebenso wie das von den roten Nummern an irgend jemand als ihn.

Es muß natürlich mit dem ganzen Vertrieb der „Revue“ eine Ändrung gemacht werden. Einstweilen bittet Sie mein Mann durch mich, Herrn N[aut] nichts mehr zu schicken, sondern alles, selbst die kleinste Summe (in preußischen Taler Sch.) hierher. Die Verhältnisse sind hier anders als in Deutschland. Wir wohnen alle in Einer Stube und einem ganz kleinen Kabinett, 6 Menschen, und zahlen mehr als das größte Haus in Deutschland und dabei jede Woche. Sie können daher denken, in welche Lage man kommt, wenn auch nur 1 Reichstaler um einen Tag zu spät kommt. Hier handelt es sich jetzt bei uns allen ums tägliche Brot. Warten Sie also nicht auf Herrn N[aut] und dergl. Dann läßt Ihnen mein Mann sagen, es wäre wirklich nicht wünschenswert, wenn Lüning ihn kritisiert1, ein starker Angriff ginge, nur keine Anerkennung. Auch hat mein Mann nie auf eine tiefe Kritik gewartet, sondern auf das einfache Ding, was alle Zeitungen bei Revuen und Broschüren anwenden, was auch Ihre Zeitung2 tut, wenn Sie Schriften bekanntmachen und verbreiten will. Sie gibt dann kleine passende Auszüge. Das erfordert wenig Arbeit.

Grüßen Sie ihre liebe Frau vielmals und seien Sie auch von mir herzlich gegrüßt

Ihre
Jenny Marx