Paris am Donnerstag [16. März 1848]
Hotel Manchester, rue Grammont No 1
Lieber Herr Weydemeyer!
Mein Mann, der wieder so im Gedräng der Arbeit und Lauferei hier in der Riesenstadt ist, läßt Sie durch mich bitten, doch im „Westphälischen Dampfboot“ anzuzeigen, daß sich, wie Herr Lüning das Nähere ja weiß, hier mehrere deutsche Gesellschaften gebildet haben; daß aber der Deutsche Arbeiterklub, an dessen Spitze die Deutschen aus London, Schapper, Bauer1, Moll, und die Deutschen aus Brüssel, Marx, Wolff2, Engels, Wallau, Born, stehn, daß diese (die auch in direkter Verbindung mit den Chartisten in England vermittelst Harney und Jones stehn) nichts gemein haben mit der Deutschen demokratischen Assoziation unter dem Vorstand von Börnstein, Bornstedt, Herwegh, Volk, Decker etc., eine Gesellschaft, die die schwarz-rot-goldne Fahne aufsteckt (worin ihr jetzt der Bundestag schon zuvorgekommen ist) und vom Vater Blücher spricht und von preußischen abgedankten Offizieren sektionenweis einexerziert wird. Es ist durchaus vor Frankreich und vor Deutschland nötig, sich entschieden von dieser Gesellschaft zu unterscheiden, da sie die Deutschen blamieren wird. Sollte das „Dampfboot“ zu spät kommen, so machen Sie aus obigen Data einen kleinen Artikel für beliebige deutsche Zeitungen, die Ihnen ja jetzt im Süden schon eher zu Gebote stehn. Suchen Sie es soviel als möglich in deutsche Blätter zu bringen.
Ich schriebe Ihnen noch gern viel aus dem interessanten hiesigen Treiben, das von Minute zu Minute bewegter wird (heute abend ziehen 400 000 Arbeiter vors hôtel de ville3), die Attroupements4 mehren sich wieder, allein ich bin mit Haus und Hof und den drei Würmchen5 so überbeschäftigt, daß ich nur noch Zeit habe, Ihnen und Ihrer lieben Frau ein paar herzliche Grüße aus der Ferne zuzurufen.
Salut et fraternité.6
Ihre Citoyenne und Vagabonde7
Jenny Marx