31. Oktober 1851
28, Dean Street, Soho, London
Lieber Weydemeyer!
Ich sende Dir noch einen zweiten Brief nach Amerika nach. Ich glaube nämlich, nach reiflicher Überlegung mit Lupus, daß wir ein Geschäft zusammen machen können.
Erstens. Die ehemalige „Neue Rheinische Zeitung“ war wenig in Amerika verbreitet. Wenn es Dir gelänge, irgendeinen Bourgeois aufzutreiben oder auch nur den nötigen Kredit beim Buchdrucker und Papierhändler, so glaube ich, daß es sich rentieren würde, in Form der kleinen Büchelchen, wie sie Becker1 in Köln herausgab – eine Art Taschenbibliothek aus der „N.Rh.Z.“ ins Leben zu rufen. Z. B. die „Schlesische Milliarde“ von W. Wolff, Ungarn von Engels, die preußische Bourgeoisie von mir2, aus den Feuilletons von Weerth etc. Ich würde Dir die Sachen von hier, wenn Du sie dort nicht vorfindest, zuschicken und zugleich das passendste zur Auswahl angeben. Du müßtest eine kleine Vorrede im allgemeinen für diese „Taschenbibliothek der N.Rh.Z.“ schreiben und, wo die Umstände Dir es passend erscheinen ließen, Bemerkungen oder Nachwort zu den einzelnen Bändchen.
Zweitens. Ebenso könntest Du in derselben Form und mit Erläuterungen abdrucken lassen Engels’ und meine Aufsätze gegen K. Heinzen aus der „Deutschen-Brüsseler-Zeitung“3. Ich glaube, daß das sehr ziehen würde.
Nach Abzug der Produktionskosten würden wir den Profit teilen.
Drittens. Ich habe allerlei Anfragen und Aufträge aus Amerika für die 6 erschienenen Hefte meiner „Revue“ erhalten, bin aber auf nichts eingegangen, da ich den Schuften dort nicht trauen konnte. Du könntest anzeigen, daß bei Dir die Sache zu haben sei, aber natürlich müßte eine anständige Zahl Bestellungen eingelaufen sein, eh’ die Versendung von hier besorgt würde.
Viertens. In jener oben angedeuteten kleinen Bibliothek könntest sowohl Du wie wir, wenn der Augenblick es gebietet, für den Augenblick geschriebne Pamphlete einreihen. Merkantilsich sicherer und bequemer ist es natürlich, mit fertigen und vorhandnem Material zu beginnen. In Deinen kleinen Vor- und Nachworten könntest Du links und rechts die nötige Polemik führen.
Ich schlage Dir also vor, Dich zum Buchhändler zu machen. Es gehört weniger dazu als zu einer Zeitung, und Du erreichst politisch denselben Zweck. Du vermeidest die langen zeittötenden Vorbereitungen eines Journals.
Ich glaube, daß, wenn Du Reich, der Geld hat, die Sache gehörig vorstellst, er sich mit Dir zu dem Unternehmen vereinigen wird.
Beste Grüße an Dein Haus von meinem Haus, Freiligrath, Lupus etc.
Dein
K. Marx